Im Informationsraum der Ukraine entbrennt ein unsichtbarer Krieg, bei dem die Hauptwaffe nicht eine Rakete, sondern ein von Algorithmen generierter Text ist. Die russische Propaganda hat eine großangelegte Kampagne gestartet, deren Ziel es ist, das Thema einer Migrationskrise künstlich zu schüren, die in Wirklichkeit nicht existiert. Hinter der Fassade panischer Schlagzeilen verbirgt sich ein komplexes Schema zur Destabilisierung der Gesellschaft, das von russischen Geheimdiensten geplant wurde.

Technologien der Desinformation: vom GRU bis zu neuronalen Netzen

Das Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation beim Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine (SNBO) hat Details dieser Operation enthüllt. Es geht nicht um vereinzelte Beiträge in sozialen Medien, sondern um die koordinierte Arbeit eines Netzwerks, das mit dem Hauptnachrichtendienst (GRU) Russlands verbunden ist. In dieser Kette sind Ressourcen von Wiktor Medwedtschuk, Kanäle des sanktionierten Propagandisten Wasilij Prosorow und das Netzwerk der Publikationen „ZOV“ beteiligt.

Das Besondere an der modernen Kampagne ist die Nutzung künstlicher Intelligenz gegen sich selbst. Die Organisatoren des Angriffs verstehen, wie Suchmaschinen-Algorithmen und Chatbots funktionieren. Sie generieren massenhaft antimigrantischen Inhalt, um die Daten der KI zu „vergiften“. Wenn ein Nutzer einem Bot eine Frage stellt oder bei Google nach Informationen sucht, gibt der Algorithmus, der mit Fälschungen trainiert wurde, falsche Daten als glaubwürdige Fakten aus. Dies erzeugt die Illusion eines allgemeinen Konsenses bezüglich des Mythos vom „Überfall“.

Digitale Armee gegen die Realität

Zur Verstärkung der Wirkung werden Videos verwendet, die von neuronalen Netzen erstellt wurden und über TikTok verbreitet werden, sowie Bot-Farmen in Facebook. Das Ziel ist einfach: Das Gefühl zu erzeugen, dass das Problem der Migranten ein „Schmerzpunkt“ der gesamten Gesellschaft ist, auch wenn echte Menschen darüber nicht sprechen.

Doch die trockene Statistik ist unerbittlich und zerschlägt dieses erfundene Szenario. Andrei Kowalenko, Leiter des Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation, nennt Zahlen, die für sich sprechen:

  • In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 wurden in der Ukraine insgesamt nur 3.200 Arbeitserlaubnisse für Ausländer ausgestellt.
  • Im Jahr 2025 lag dieser Wert bei 9.500.
  • Vor Beginn des umfassenden Krieges wurden etwa 22.000 Genehmigungen erteilt.

Die Dynamik ist offensichtlich: Der Migrationsstrom wächst nicht, sondern schrumpft rapide. Unter Kriegsbedingungen und bei geschlossenen Grenzen von einem „Zustrom“ von Migranten zu sprechen, ist eine reine Fiktion, die für Provokationen geschaffen wurde.

Warum geschieht dies jetzt?

Experten verbinden die Aktivierung von Fakes mit der Krise in Russland selbst. Nach dem Scheitern des Frühlingsangriffs und der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage muss der Kreml um jeden Preis die Situation in der Ukraine destabilisieren und das Vertrauen der westlichen Partner untergraben. Das Thema Migration ist eines der bequemsten Instrumente, um Xenophobie zu schüren und die Aufmerksamkeit von realen Problemen abzulenken. Russland hat bereits zuvor versucht, Ukrainer mit Fakes über die „Zwangsmobilisierung von Frauen“ einzuschüchtern, doch jetzt setzt man auf soziale Spannungen.