Am 26. September fanden am Rande der 81. Tagung der UN-Generalversammlung die ersten Gespräche auf Ebene der Außenminister Russlands und Deutschlands seit Beginn des umfassenden Konflikts statt. Der russische Außenminister Sergei Lawrow und sein deutscher Amtskollege Johann Wadephul hielten ein rund 20-minütiges Treffen ab, bei dem sie die bilateralen Beziehungen und die Lage in der Ukraine erörterten.
Hintergrund und Kontext des Dialogs
Dieses Treffen markierte den ersten ministeriellen Kontakt zwischen Moskau und Berlin seit Januar 2022, als Lawrow Gespräche mit der damaligen Bundesaußenministerin Annalena Baerbock führte. Nach Angaben des russischen Außenministeriums ging die Initiative für den Dialog von der deutschen Seite aus. Trotz der Wiederaufnahme der Kontakte zeigten sich erhebliche Differenzen in den Positionen.
Inhalt der Gespräche und Moskauer Haltung
Nach dem Treffen erklärte Sergei Lawrow vor Journalisten, er habe von seinem deutschen Kollegen keine grundsätzlich neuen Vorschläge oder Initiativen gehört, die über die bisherige öffentliche Haltung Berlins hinausgehen. Lawrow betonte, Wadephul habe seine Haltung gegen Russland bekräftigt und Sicherheit im Schwarzen Meer gefordert. Russland habe maritime Sicherheitsvorschläge mit Indien, Ägypten und der Türkei besprochen, jedoch seien separate Gespräche mit der Ukraine erforderlich.
Widersprüchliche Angaben
Bei der Darstellung der Ergebnisse gibt es spürbare Diskrepanzen zwischen der russischen und der deutschen Seite. Während das russische Außenministerium betonte, Berlin habe keine neuen Ideen vorgebracht, teilte ein Kreise der deutschen Delegation mit, Wadephul habe drastisch auf eine Einigung beim Getreideexport über das Schwarze Meer, den Schutz der Energieinfrastruktur und einen sofortigen Waffenstillstand gedrängt.
Experteneinschätzung und Folgen
Analysten weisen darauf hin, dass die Wiederaufnahme hochrangiger Kontakte zeigt, dass diplomatische Kanäle auch in tiefen Krisen aufrechterhalten werden. Grundlegendes Misstrauen und diametral entgegengesetzte Ansätze verhindern jedoch vorerst einen echten diplomatischen Durchbruch.