In der ukrainischen politischen Elite hat sich ein klares Verständnis der Strategie des Gegners für den Fall einer Abnahme der Kampfintensität herausgebildet. Gesprächspartner von RBC-Ukraine im Umfeld des Präsidenten und in Regierungsstellen haben Details des russischen Plans enthüllt, der aktiviert werden könnte, falls der Konflikt 'eingefroren' wird oder sich ein Stellungsriegel ohne massierte Raketenangriffe entwickelt.
Strategie durch Wahlen und Fragmentierung
Laut Quellen ist ein Schlüsselelement der russischen Strategie, die Ukraine zu Wahlen zu drängen. Das Ziel Moskaus ist es, eine innere politische Fragmentierung zu provozieren, die zu einer Schwächung des Staates führt. Genau unter solchen Bedingungen der Instabilität plant Russland, seine geopolitischen Ziele zu erreichen, indem es sowohl politische Druckmittel als auch die Möglichkeit eines Wiederaufgreifens eines Vollkriegs nutzt.
„Ihr Plan ist es, Wahlen herbeizuführen, die innere politische Fragmentierung der Ukraine, dies zur Schwächung zu nutzen und dann alle jene Ziele Russlands zu erreichen – entweder durch politische Methoden oder durch die Wiederaufnahme eines Vollkriegs. Aber unter Bedingungen einer erheblichen inneren Schwächung und Fragmentierung der Ukraine', so einer der Gesprächspartner des Mediums.
Gefahr 'akzeptabler' Forderungen
Experten und Beamte weisen darauf hin, dass die Umsetzung dieses Szenarios über Manipulationen im humanitären Bereich erfolgen könnte. Einige Forderungen Russlands könnten für westliche Partner – die USA und europäische Länder – logisch und akzeptabel erscheinen. Innerhalb der Ukraine könnten solche Bedingungen jedoch heftigen Unmut und einen gesellschaftlichen Spalt hervorrufen.
Laut Einschätzung der Quellen würde eine solche 'Aufwühlung' der Gesellschaft ebenfalls Moskau in die Hände spielen und die Destabilisierung verstärken. Dennoch sind Regierungsvertreter der Meinung, dass dies vorerst eine ferne Perspektive bleibt.
„Wenn wir an etwas glauben müssen, dann ist jetzt ein guter Moment, um zu glauben – die Dynamik beginnt sich zu unseren Gunsten zu entwickeln', fasst eine weitere Quelle in der Regierung zusammen.
Position Kiews und internationaler Kontext
Die Frage der Abhaltung von Wahlen in der Ukraine bleibt eines der sensibelsten Themen in der Verhandlungsagenda. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat wiederholt betont, dass die Abhaltung von Wahlen unter Kriegsrecht unmöglich ist. Diese Position wurde offiziell auch von der Werchowna Rada bestätigt.
Gleichzeitig wird die sofortige Abhaltung von Wahlen als einer der Punkte des 20-Punkte-Friedensplans genannt, der von ukrainisch-amerikanischen Verhandlern ausgearbeitet wurde. Die Zentralwahlkommission hatte zuvor darauf hingewiesen, dass für eine qualitative Vorbereitung auf die Wahl etwa sechs Monate notwendig sind.