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title: "Fallstricke, Drohungen und Boni: Wie Russland seine Rekrutierungstaktik angesichts der Krise ändert"
description: "Die freiwillige Einberufung in Russland ist gescheitert: Die Behörden greifen zu Straßenfestnahmen und der Fälschung von Strafakten, um die Reihen der Armee zu füllen. Regionen führen Zahlungen von bis zu 100.000 Rubel pro „Freiwilligem' ein, doch Experten warnen vor den Risiken einer neuen Mobilmachung und dem wachsenden radikalen Unmut in der Gesellschaft. 🇷🇺🚫📉"
date: 2026-08-03T08:40:00.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/russland-aendert-rekrutierungstaktik-drohungen-und-boni-de
tags: [russia, mobilization, kremlin, vladimir-putin, war-in-ukraine]
publisher: "XAB.info"
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# Fallstricke, Drohungen und Boni: Wie Russland seine Rekrutierungstaktik angesichts der Krise ändert

![Gruppe russischer Soldaten in Tarnuniformen und Mützen mit Abzeichen steht neben Bussen, was das Thema der Rekrutierung und Mobilisierung in der Krise veranschaulicht](https://xab.info/media/2026/08/03/rossiya-menyayta-taktiku-verbovki-ugrozy-i-bonusy/rossiya-menyayta-taktiku-verbovki-ugrozy-i-bonusy-1.webp)

Der Mechanismus der freiwilligen Einberufung in die russischen Streitkräfte erfährt angesichts der Erschöpfung der menschlichen Ressourcen radikale Veränderungen. Während die Behörden früher auf patriotischen Pathos und materielle Anreize setzten, werden nun, laut Berichten der Wall Street Journal, in den Regionen aktiv Zwangsmethoden angewendet, die an Straftaten grenzen. RBK-Ukraine veröffentlicht Details zur neuen Rekrutierungstaktik, die Straßenfestnahmen, die Fälschung von Akten und psychologischen Druck umfasst.

### Polizeifallen und die Bedrohung durch Gefängnis

In kleinen russischen Städten haben sich spezialisierte Gruppen gebildet, die aus militärischen Rekrutierern und Polizeibeamten bestehen. Ihre Aufgabe ist es, wehrpflichtige Männer zu finden und in die Rekrutierungszentren zu bringen. Die Festnahmen finden an den unerwartetsten Orten statt: direkt auf der Straße, in der Nähe von Arbeitsplätzen oder unter dem Vorwand einer routinemäßigen Dokumentenprüfung.

Nach der Ankunft in den Rekrutierungszentren warten auf die Bürger Methoden der Nötigung. Laut dem Blogger Stanislav Morosow, der mit vielen Einberufenen gesprochen hat, ist der entscheidende Faktor, der Menschen zum Vertragsabschluss zwingt, nicht der Patriotismus, sondern die Angst vor strafrechtlicher Verfolgung. Sicherheitskräfte drohen offen mit der Erfindung von Anklagen, meist wegen Besitzes oder Verbreitung von Drogen. Für viele Russen ist die Aussicht auf das Gefängnis beängstigender als der Einsatz an der Front.

### Finanzielle Anreize für die Bevölkerung

Da die Behörden erkannt haben, dass selbst rekordverdächtige Zahlungen an Vertragsoldaten (die oft das Jahresgehalt übersteigen) nicht mehr genügend Freiwillige anlocken, haben regionale Regierungen zu beispiellosen Maßnahmen gegriffen. In mehreren Gebieten wurden Belohnungsprogramme für Zivilisten eingeführt, die einen neuen Kämpfer „bringen'.

In den Regionen Tatarstan, Amur, Jaroslawl, Kaluga, Woronesch und Archangelsk gilt ein System, bei dem für jeden in ein Rekrutierungszentrum gebrachten „Freiwilligen' bis zu 100.000 Rubel (ca. 1.300 Dollar) ausgezahlt werden. Dies verwandelt die Rekrutierung in eine Art Markt, auf dem Menschen an ihren Bekannten verdienen können, oft ohne die Tragödie zu erkennen oder zu ignorieren, die ihren „Kunden' bevorsteht.

### Politische Risiken und die Bedrohung einer neuen Mobilmachung

Vertreter des amerikanischen Nachrichtendienstes bewerten die Wirksamkeit dieser harten Maßnahmen als teilweise. Sie ermöglichten zwar die Auffüllung der Reihen der Besatzungsarmee, sicherten aber nicht die kritische Masse für einen Durchbruch an der Front. Infolgedessen wird im Kreml ein Szenario für eine weitere Runde der erzwungenen Mobilmachung erwogen.

Maßgeblich für eine solche Entscheidung könnten die Ergebnisse der Parlamentswahlen am 20. September sein. Ruslan Puchow, Direktor des russischen Zentrums für Analyse von Strategien und Technologien, warnt: „Wenn Putin beschließt, an seinen Forderungen zur Eroberung des gesamten Donbass festzuhalten, könnte ihm keine andere Wahl bleiben, als die Mobilmachung auszurufen'.

### Anstieg des radikalen Unmuts

Experten stellen fest, dass die politischen Risiken einer neuen Einberufungswelle für den Kreml alle militärischen Vorteile überwiegen könnten. In der Gesellschaft wächst der radikale Unmut, der bereits in direkte Drohungen gegen Rekrutierer übergeht.

„Sobald ich eine Waffe in die Hand bekomme, werde ich diejenigen erschießen, die mich einberufen haben', erklärte der 53-jährige Offizier der Reserve Dmitri Rogin, der selbst potenziell einberufen werden könnte. Seine Worte spiegeln die Stimmung eines erheblichen Teils der Bevölkerung wider, der sich nicht länger mit Zwang abfinden will.

Zur Erinnerung: Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beliefen sich die Gesamtkasualitäten der russischen Armee im Verlauf des Krieges auf 1,6 Millionen Menschen, davon etwa 700.000 Tote. Trotz dieser Verluste und der Vertiefung der Krise der regionalen Budgets fordert der Kreml weiterhin von den Regionen eine Erhöhung der Zahlungen für die Vertragsunterzeichnung, um den Frontabschnitt um jeden Preis zu halten.