Die militärische Lage an der Front diktiert neue Regeln. Russland ändert die Strategie des Einsatzes von Kampfdrohnen (UAVs) gegen die Ukraine grundlegend. Wie bekannt wurde, setzt Moskau auf eine drastische Erhöhung des Anteils von reaktiven Drohnen vom Typ „Schahed“ in seinen Angriffen und verlässt die früheren Schemata des massiven Einsatzes von Benzinmodellen.

Dies teilte der Berater des ukrainischen Verteidigungsministers und Experte für Funktechnologien Serhij „Flash“ Beskrestnov in seinem Telegram-Kanal mit. Nach seinen Worten war ein solcher Szenario bereits vor einem Jahr vorhersehbar.

Warum wird der Drohnen-Typ gewechselt?

Der Schlüsselfaktor für den Taktikwechsel war die Effektivität der ukrainischen Flugabwehr. „Flash“ stellte fest, dass nach dem Beginn der Abschüsse von 92 % bis 96 % der Benzin-„Schaheds“ durch die ukrainische Flugabwehr während der Angriffe auf das tiefere Hinterland deren weiterer Einsatz für die russische Seite unrentabel wurde.

Infolgedessen lenkte der Gegner seine Bemühungen auf reaktive Modifikationen um. „Ihre Anzahl steigt“, betonte der Berater. Dabei hat sich die Gesamtzahl der gegen die Ukraine eingesetzten „Schaheds“ aller Typen nach Ansicht des Experten verringert. Diese Drohnen bleiben jedoch das prioritäre Instrument für Angriffe auf Grenzgebiete und Städte.

Merkmale der neuen Angriffe

Die Situation an der Grenze ist durch eine hohe Intensität gekennzeichnet. Täglich greifen etwa 200 Drohnen kritisch wichtige Objekte an: Tankstellen, Lagerhäuser, Energieinfrastruktur und Verkehrsknotenpunkte.

Die Nähe zur Grenze ermöglicht es russischen Operatoren, die Funksteuerung über Mesh-Modems massenhaft zu nutzen. Unter solchen Bedingungen werden traditionelle Methoden zur Unterdrückung der Satellitennavigation (GPS/GLONASS) unwirksam, da die Drohne nicht von Satellitensignalen abhängt.

Der Experte wies auch auf die Umorientierung eines Teils der Produktionskapazitäten in Russland auf die Serienfertigung speziell der reaktiven Versionen der „Schaheds“ hin.

Übergang zu punktgenauen Schlägen

Neben dem Wechsel des Motortyps ändern die Besatzer auch die Einsatztaktik selbst. Es findet ein Übergang von chaotischen Massenangriffen auf selektive, sorgfältig geplante Attacken statt. Der Vorbereitungsprozess sieht wie folgt aus:

  • Es werden konkrete wichtige Ziele ausgewählt.
  • Es wird eine mehrstufige Aufklärung der Objekte durchgeführt.
  • Die ukrainischen Verteidigungslinien werden untersucht, einschließlich der Systeme zur elektronischen Kriegsführung, Radaranlagen und Flugabwehrraketensysteme.
  • Korridore zum Umgehen der Abfangjäger werden ausgelotet.
  • Flugrouten unter Verwendung verschiedener Höhen und Geschwindigkeiten werden erstellt.

Besonders gefährlich ist der Einsatz der Modifikation „Seeker“, die mit einer Zielerfassungsfunktion ausgestattet ist.

Neue Modelle und Effektivität der Flugabwehr

Im Arsenal des Gegners erscheinen immer perfektere Exemplare. Seit dem Frühjahr 2026 setzt Russland eine neue reaktive Kampfdrohne „Geran-4“ ein, die sich durch eine erhöhte Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit im Vergleich zu den vorherigen Versionen auszeichnet. Darüber hinaus werden bereits aktiv reaktive Drohnen vom Typ „Geran-3“ eingesetzt, die Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h erreichen können.

Trotz der Komplexierung der Taktik des Gegners zeigt die ukrainische Verteidigung eine hohe Effektivität. Wie der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, General Oleksandr Syrskyi, erklärte, ist die Mehrheit der neutralisierten russischen „Schaheds“ und „Gerans“ das Ergebnis der Arbeit ukrainischer Abfangdrohnen. Allein im Mai schlugen sie mehr als 3.500 feindliche Drohnen ab.