Der Krieg in der Ukraine tritt in eine neue, extrem gefährliche Phase ein. Nach Angaben von Quellen bereitet die russische Seite massive Angriffe auf Ziele tief im ukrainischen Territorium vor. Es geht um einen Bereich bis zu 100 Kilometer hinter der Frontlinie, in dem traditionell zivile Objekte lagen, die in früheren Phasen des Konflikts keine prioritären Ziele waren.

Neue Taktik: Von der Front ins Hinterland

Sergei „Flash“ Beskrestnov, Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums für technologische Fragen, warnte davor, dass sich die Art der Kampfhandlungen verändert. Während zuvor der Fokus auf Stellungskämpfen lag, wechseln beide Seiten nun zu einer Taktik massiver Schläge gegen das tiefe Hinterland (Deep Strike und Middle Strike). Experten verbinden dies mit dem Versuch, bestimmte Bedingungen vor möglichen Friedensverhandlungen zu schaffen.

„Flash“ betont, dass Russland keine Ziele auswählen wird. In die Risikonebene geraten lebenswichtige Objekte für das Funktionieren von Gesellschaft und Wirtschaft:

  • Kraftstofftankstellen (Tankstellen);
  • Postämter;
  • Lager und Logistikzentren;
  • Unternehmen und Fabriken;
  • Basen für Baumaschinen und landwirtschaftliche Technik;
  • Objekte der Eisenbahn- und Straßeninfrastruktur;
  • Elektroumspannwerke verschiedener Leistung.

Kritische Verwundbarkeit der Luftabwehr

Hauptproblem, das die Situation verschärft, ist der akute Mangel an Raketen für Luftabwehrsysteme (Luftraumverteidigung), die ballistische Raketen abfangen können. Aufgrund des Mangels an Munition wurden die Patriot-Systeme, die als „Goldstandard“ des Schutzes gelten, vom automatischen auf den manuellen Betriebsmodus umgestellt. Dies verringert die Reaktionsgeschwindigkeit und die Effektivität des Abfangens.

Die Statistik der letzten Monate zeigt einen beunruhigenden Trend. Obwohl die ukrainischen Streitkräfte die überwältigende Mehrheit der Angriffsdrohnen zerstörten (etwa 89 % aller Luftziele bei massiven Angriffen), ist die Effektivität des Abfangens ballistischer Raketen auf 40 % gesunken. Im letzten Monat hat Russland fast 6000 Drohnen und Raketen auf die Ukraine abgefeuert, von denen etwa 5300 abgeschossen wurden.

Hilfe aus den USA und Produktionspläne

Unter den Bedingungen der Erschöpfung der Vorräte ist eine kritische Hilfe aus dem Ausland notwendig. In den nächsten Tagen planen die USA, ein neues Paket von Anti-Ballistik-Raketen für die Patriot-Systeme zu übergeben. Darüber hinaus hat der US-Präsident Donald Trump die Gewährung einer Lizenz an die Ukraine für die Produktion von Patriot-Systemen auf eigenem Territorium angekündigt.

Experten merken jedoch an, dass die Umsetzung dieses Plans ein langer Prozess ist. Der Aufbau einer Produktionsstätte, die Einrichtung einer Fertigungslinie und die Auslieferung der ersten Charge von Raketen werden mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen. Bis dahin wird die ukrainische Seite gezwungen sein, sich auf begrenzte Vorräte und die manuelle Steuerung der Systeme zu verlassen.

Ziel der Angriffe und Position der Seiten

Sergei Beskrestnov stellt fest, dass die Situation aus logischer Sicht sinnlos wird, aber aus Sicht der Handlungen des Gegners vorhersehbar ist. Beide Seiten zerstören planmäßig die Infrastruktur des anderen, was zu Opfern unter der Zivilbevölkerung führt. „Wir wollen all dies stoppen, unser Feind nicht. Ihn stört das alles nicht“, erklärte der Berater.

Gleichzeitig betonte er, dass die Ukraine über ausreichende Ressourcen und den Willen verfügt, um Gegenangriffe auf die kritische Infrastruktur Russlands zu führen, die ebenfalls den Verlauf des Krieges beeinflusst. Dennoch bleibt die Bereitschaft für Angriffe bis zu einer Tiefe von 100 km eine dringende Notwendigkeit für alle Sicherheitsdienste und die Bevölkerung.