Russland, traditionell einer der größten weltweiten Exporteure von Erdölprodukten, befindet sich in einer Situation, in der es gezwungen ist, eigenen Kraftstoff zu importieren. Laut Quellen soll bereits im Juni ein Tanker mit aus Asien gelieferten Benzin in einen westlichen Hafen des Landes eintreffen. Dieser beispiellose Schritt ist eine erzwungene Maßnahme angesichts eines akuten Mangels auf dem Inlandsmarkt.
Ursachen der Krise: Angriffe auf die Energiewirtschaft
Die Hauptursache für den Kraftstoffkollaps sind massive und regelmäßige Angriffe ukrainischer Drohnen auf die russische Energieinfrastruktur. Seit Anfang 2026 hat sich die Anzahl der Angriffe auf Raffinerien verdoppelt, was zum Stillstand wichtiger Produktionskapazitäten führte. Zu den betroffenen Objekten gehören die Moskauer Raffinerie und der große TANECO-Komplex in Tatarstan.
Offiziell haben die Behörden der Krim und zweier sibirischer Regionen den Mangel an Kraftstoff bereits bestätigt, doch der tatsächliche Mangel wird in mehr als zehn Regionen der Russischen Föderation beobachtet. Versuche Moskaus, das Problem durch Nachbarn zu lösen, waren erfolglos: Weder Belarus noch Kasachstan, an die zuvor um Hilfe appelliert wurde, verfügen über freie Kapazitäten, die die massiven Lücken in den Lieferungen decken könnten.
Exportverbot und „schmutziger' Kraftstoff
Um die Situation zu stabilisieren und die Vorräte während des sommerlichen Verbrauchsgipfels zu erhalten, hat die russische Regierung ein vollständiges Exportverbot für Benzin bis Ende Juli verhängt. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr verkaufte das Land fast 5 Millionen Tonnen dieses Kraftstoffs ins Ausland.
Parallel dazu hat der Kreml die Umweltstandards gesenkt. Um den raschen Abbau der Reserven zu stoppen, wurden den Raffinerien erlaubt, minderwertigen Kraftstoff mit hohen Verschmutzungswerten zu produzieren. Diese Entscheidung wurde ausschließlich für den Inlandsmarkt unter Force-Majeure-Bedingungen getroffen.
Limits für Autofahrer und panische Nachfrage
Für die Bevölkerung hat sich die Situation an den Tankstellen radikal verändert. Strenge Beschränkungen beim Kauf von Kraftstoff haben sich auf Bundesebene ausgeweitet. Das größte Ölunternehmen „Tatneft', das einen erheblichen Teil des Marktes kontrolliert, hat an allen seinen Tankstellen im ganzen Land Limits eingeführt: Autofahrern ist es nur erlaubt, maximal 30 Liter Benzin auf einmal zu tanken.
Neben mengenmäßigen Beschränkungen wurde an vielen Stationen der Verkauf von Kraftstoff in Kanistern vollständig verboten, und in einigen Regionen sind Zahlungen nur noch in bar möglich. Solche Maßnahmen wurden von Netzwerken ergriffen, die etwa 25 % des Einzelhandelsmarktes kontrollieren, um die panische Nachfrage einzudämmen und eine vollständige Entleerung der Tanks zu verhindern.