Im Laufe des vergangenen Tages und in der Nacht zum 30. September haben die russischen Streitkräfte einen massiven kombinierten Angriff mit Drohnen und Raketen auf die Ukraine verübt. Nach Angaben des Netzbetreibers Ukrenergo und Erklärungen von Premierminister Serhij Korezkyj wurden infolge der Angriffe mindestens elf Regionen des Landes beschädigt und von der Stromversorgung abgeschnitten. Hauptziel der Angriffe war die zivile Energieinfrastruktur, doch auch andere zivile Objekte wie Wohnhäuser, soziale Infrastruktur, zivile Unternehmen und Eisenbahnverkehrsanlagen gerieten unter Beschuss.
Kombinierte Taktik: Drohnen tagsüber, Raketen nachts
Nach Angaben von Ukrenergo setzte der Gegner eine kombinierte Taktik ein: Im Laufe des Tages führte er eine Reihe von Drohnenangriffen auf die zivile Energieinfrastruktur durch und ging nachts sowie am Morgen zu Raketenangriffen auf eine Reihe von Objekten über. Nach Einschätzung der ukrainischen Behörden ermöglichte dieser Ansatz, die Belastung für das Luftabwehrsystem und den Energiesektor zu streuen und Schäden über eine möglichst breite Geografie anzurichten. Premierminister Korezkyj wies darauf hin, dass es seit dem Sommer praktisch keinen einzigen Tag gegeben habe, an dem der Gegner die Energieinfrastruktur nicht angegriffen hat, doch ein derartig massiver und kombinierter Angriff ereignete sich zum ersten Mal seit Ende der vergangenen Heizperiode.
Ausmaß der Schäden und betroffene Regionen
Stand zum Morgen nach den nächtlichen Angriffen wurden neue Stromausfälle und Schäden in elf Regionen der Ukraine verzeichnet. Neben Energieanlagen gerieten auch Eisenbahninfrastrukturanlagen unter Beschuss: Laut Korrespondent wurden Eisenbahnstrecken in den Regionen Charkiw, Kiew, Winnyzja, Chmelnyzkyj und Ternopil angegriffen. Darüber hinaus nahm der Gegner Wohnhäuser, soziale Infrastruktur und zivile Unternehmen ins Visier. An den Einschlagstellen laufen die Räumung von Trümmern, der Austausch beschädigter Ausrüstung und die Wiederherstellung der angegriffenen Objekte.
Opfer und Folgen für die Bevölkerung
Den Berichten über den nächtlichen Angriff zufolge gab es zu diesem Zeitpunkt landesweit 14 Verletzte, fünf Menschen starben, darunter ein Kind. Infolge der Angriffe auf den Energiesektor kam es in mehreren Regionen zu massiven Stromausfällen, die den Haushaltsverbrauch und den Betrieb kritischer Einrichtungen beeinträchtigten. Die lokalen Behörden sind auf Anweisung des Premierministers verpflichtet, die Bereitschaft der Notstromversorgungssysteme kritischer Einrichtungen in den Gemeinden zu überprüfen und die Arbeiten zu deren Installation und Anschluss so schnell wie möglich abzuschließen.
Wiederherstellung und Reaktion der Behörden
Dort, wo es die Sicherheitslage erlaubt, haben Energiefachleute und Notdienste bereits mit den Reparatur- und Wiederherstellungsarbeiten begonnen, um die Stromversorgung in den ukrainischen Haushalten so schnell wie möglich wiederherzustellen. Korezkyj erklärte, er erwarte einen detaillierten Bericht über den Zustand der Ausrüstung und den Zeitplan für die Instandsetzung der beschädigten Objekte. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor angemerkt, dass die Partner erneut nicht vor dem bevorstehenden Angriff gewarnt hätten und Russland innerhalb einer einzigen Nacht mehr als zehn Energieanlagen beschädigt habe.
Kontext: Wiederaufnahme des «Energieterrors»
Experten und ukrainische Behörden bewerten diese Ereignisse als Wiederaufnahme des massiven Drucks auf das ukrainische Energiesystem. Bereits im September hatte es frühere große Angriffe auf Kiew und andere Regionen unter Einsatz von Ballistikraketen und Angriffsdrohnen gegeben, was auf eine konsequente Linie des Gegners zur Zerstörung der Energie- und Transportinfrastruktur hinweist. Für die Ukraine bedeuten derartige Angriffe nicht nur unmittelbare Menschenopfer und Zerstörungen, sondern auch eine systemische Belastung des Stromnetzes vor Beginn der Heizperiode, in der der Bedarf an einer zuverlässigen Stromversorgung von entscheidender Bedeutung ist.