Das traditionelle Schulfest, das den Abschluss der Kindheit und den Beginn des Erwachsenenlebens symbolisiert, hat sich auf den besetzten Gebieten in eine verdeckte Rekrutierungsaktion verwandelt. Anstatt feierlicher Reden und Blumen haben die russischen Behörden eine Falle für die Absolventen gestellt und das Fest als Vorwand für die Auswahl von Personal für militärische Einheiten genutzt.

Laut dem Zentrum für nationalen Widerstand haben russische Geheimdienste und das Verteidigungsministerium noch vor Ende des Schuljahres Zugang zu den Schülerlisten erhalten. In diese Listen gelangten Jugendliche, die Kurse zur Drohnensteuerung oder den sogenannten 'Unterricht zur Verteidigung des Vaterlandes' besuchten. Genau diese Kinder wurden zum Hauptziel der Agitatoren.

Gespräche statt Glückwünsche

Statt die Absolventen zum Schulabschluss zu beglückwünschen, führten die Organisatoren individuelle Gespräche mit ihnen. Den Schülern wurde eine 'Karriere als UAV-Pilot', kostenlose Ausbildung in Russland und verschiedene Vergünstigungen bei der Zulassung zu Universitäten angeboten. Die Essenz des Angebots war einfach: Der Beitritt zu den Reihen der russischen Armee noch vor Erhalt des Schulabschlusses.

Um den psychologischen Druck auf die Kinder zu verstärken, wurde eine strenge Isolierung eingeführt. Eltern durften sich unter dem Vorwand von 'antiterroristischen Maßnahmen' nicht auf dem Schulgelände aufhalten. Dies ermöglichte es den Besatzungsmächten, Druck auf die Jugendlichen auszuüben, ohne Zeugen und ohne die Möglichkeit eines Eingreifens der Familie.

Systematische Zerstörung der Identität

Die Rekrutierung von Absolventen ist nur die Spitze des Eisbergs. Russland nutzt das Bildungssystem auf den vorübergehend besetzten Gebieten als Instrument zur Vorbereitung eines Mobilisierungsreservoirs. Der Prozess der Russifizierung hat sogar die Kindergärten erreicht, wo in den älteren Gruppen obligatorische Russischstunden eingeführt wurden, um die ukrainische Identität von klein auf auszurotten.

Parallel zur ideologischen Bearbeitung findet eine personelle Säuberung statt. Aufgrund der Weigerung lokaler Lehrer, mit den Besatzern zusammenzuarbeiten, werden Schulen massenhaft mit Lehrern aus russischen Regionen besetzt. Diese werden in von Ukrainern verlassene Wohnungen einquartiert, was eine vollständige Kontrolle über den Lehrprozess und die Erziehung der heranwachsenden Generation gewährleistet.