Der norwegische Verteidigungsminister Thorvald Stave hat besorgniserregende Prognosen zur Sicherheit im Arktischen Ozean geäußert. Nach seinen Worten plant Russland, der NATO in der Arktis eine Herausforderung zu bieten, um die volle Kontrolle über strategisch wichtige Gebiete zu erlangen. Experten warnen: Die Eroberung dieses Gebiets könnte Moskau die Möglichkeit geben, Europa mit Hyperschallwaffen zu bedrohen.
Nukleararsenal im Norden
Laut den im Bericht angeführten Daten hat Russland einen erheblichen Teil seines nuklearen Arsenals in den Gewässern des Arktischen Ozeans konzentriert. Der Aggressor erweitert aktiv die Stärke und Fähigkeiten seiner Nordflotte. In den letzten Jahren wurden immer häufiger Fälle des Auftauchens russischer U-Boote in unmittelbarer Nähe der Hoheitsgewässer der Bündnispartner registriert.
Hauptfokus der zunehmenden Spannungen ist die Straße zwischen dem norwegischen Festland und dem Archipel Spitzbergen. Die Kontrolle über diesen schmalen Gewässerabschnitt würde Moskau ermöglichen, eine sogenannte „Bastionsverteidigung“ um eigene Kräfte herum zu errichten und den Flottenfahrzeugen einen schnellen und leichten Zugang zum Atlantischen Ozean zu gewährleisten.
Unmittelbare Bedrohung für London und Kopenhagen
Für Großbritannien und andere NATO-Verbündete birgt der Verlust der Kontrolle über dieses Gebiet eine direkte Gefahr. Sollten russische Truppen in der nördlichen Straße dominieren, verliert das Bündnis die Möglichkeit, die Bewegungen russischer U-Boote effektiv zu überwachen.
Besondere Besorgnis erregen die neuesten Entwicklungen des russischen Militärindustriekomplexes. Eine potenzielle Bedrohung stellen die hyperschallfähigen Marschflugkörper „Zirkon“ dar, die nukleare Sprengköpfe tragen können. Darüber hinaus setzt Russland die Entwicklung des Unterwasser-Drohnen „Poseidon“ mit nuklearem Antrieb fort, das als „Unsichtbarer“ für Aufklärungssysteme positioniert wird.
Der norwegische Verteidigungsminister erklärte, dass im Falle der Übernahme der Kontrolle über die nördliche Straße der Wirkungsbereich des russischen Hyperschallwaffensystems London, Norwegen und Dänemark umfassen würde.
Strategie der Blockade von Durchgängen
Die Logik der maritimen Verteidigung der NATO basiert historisch auf der Blockade enger Durchgänge, durch die die russische Flotte in den Weltmeer gelangen kann. Derzeit kontrolliert das Bündnis faktisch zwei von drei solchen Routen:
- Die Straße der Bosphorus, gelegen an der Mündung des Schwarzen Meeres.
- Die dänischen Meerengen, die den Ausgang aus der Ostsee abschließen.
Die dritte, nördliche Route, bleibt ein Gebiet potenzieller Eskalation und befindet sich derzeit nicht unter der vollständigen Kontrolle westlicher Länder.
Ausweitung des Konflikts über die Ukraine hinaus
In der Europäischen Union wird zunehmend Besorgnis über eine mögliche Ausweitung der Aggression seitens des Kremls geäußert. In Brüssel befürchtet man, dass der russische Führer versuchen könnte, über die ukrainische Front hinaus zu gehen und den Druck auf europäische Länder zu erhöhen.
Zuvor berichtete die Agentur Reuters, dass die NATO bereits Szenarien eines möglichen bewaffneten Konflikts mit Russland auf dem Territorium der baltischen Staaten durchspielt. Insbesondere plant das Bündnis, seine östliche Flanke durch eine neue militärische Struktur zu stärken, die im Falle einer unmittelbaren Bedrohung eine schnelle Verlegung von Kräften nach Lettland und Estland ermöglicht.