Die russische Wirtschaft steht vor einem kritischen Arbeitskräftemangel, der laut Regierungsangaben bereits 2,3 Millionen Menschen umfasst. Am stärksten wird der Mangel im Baugewerbe spürbar, wo die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter steigt. Angesichts der Mobilmachung und des Bevölkerungsrückgangs richtet Moskau seinen Blick zunehmend auf Indien als wichtige Quelle für Arbeitskräfte.
Starker Anstieg der Migration
Die Statistiken der letzten Jahre zeigen eine rasante Dynamik. Während 2021 etwa 5.000 Arbeitserlaubnisse an indische Staatsbürger ausgestellt wurden, stieg diese Zahl im vergangenen Jahr fast um das 15-fache auf 72.000. Zum Vergleich: Dies entspricht fast einem Drittel der jährlichen Quote für Arbeitsvisa für alle ausländischen Arbeitnehmer, was auf eine Verschiebung der Prioritäten in der Migrationspolitik Russlands hindeutet.
Position der Wirtschaft und der Sberbank
Trotz des Anstiegs der Zahlen halten russische Behörden und große Marktteilnehmer die aktuellen Volumina für unzureichend. Die größte Bank des Landes, die Sberbank, hat offen dazu aufgerufen, die Einreiseverfahren für indische Fachkräfte zu vereinfachen und den Zustrom zu erhöhen.
Anatoli Popow, stellvertretender Generaldirektor der Sberbank, bestätigte auf dem St. Petersburger internationalen Wirtschaftsforum, dass die Bank gemeinsam mit Partnern Lösungen zur Vereinfachung der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer entwickelt. Nach seinen Worten haben indische Migranten bereits ihre Effizienz auf Baustellen weltweit unter Beweis gestellt, was diese Richtung für Russland vielversprechend macht.
Prognosen und staatliche Unterstützung
Der Bedarf an Arbeitskräften wird voraussichtlich weiter steigen. Das russische Arbeitsministerium erwartet, dass der Bausektor bis 2030 etwa 789.000 zusätzliche Arbeitskräfte benötigen wird. Auf staatlicher Ebene wird diese Nachfrage unterstützt: Ende des vergangenen Jahres unterzeichneten Wladimir Putin und Narendra Modi ein Abkommen zur Vereinfachung der Beschäftigung von Indern. Der erste stellvertretende Ministerpräsident Russlands, Denis Manturow, erklärte damals, das Land sei bereit, eine „unbegrenzte Anzahl' von Arbeitnehmern aus Indien aufzunehmen.
Gleichzeitig kündigte die Sberbank Pläne zur Erweiterung ihrer Aktivitäten auf dem indischen Markt und zur Eröffnung neuer Vertretungen an, was Teil einer Strategie zur Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern sein könnte.
Medienhintergrund und Reaktion Kiews
Das Thema der massenhaften Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte wurde zum Anlass für Informationskampagnen. Im ukrainischen Informationsraum wurden aktiv Berichte über einen angeblichen massenhaften Zustrom von Ausländern in die Ukraine verbreitet. Das Zentrum für strategische Kommunikation der Ukraine erklärte jedoch, dass eine solche Kampagne Anzeichen einer russischen Informationsoperation aufweist.
Natalia Naumenko, Vorsitzende der Staatlichen Migrationsdienstbehörde der Ukraine, stellte fest, dass die russische Propaganda das Thema Migranten für Manipulationen und zur Schürung von Spannungen nutzt. Ihrer Aussage zufolge verfolgt der Staat keine Politik des Ersatzes von Ukrainern durch Migranten.