Die russische Regierung hat beschlossen, die Haushaltsverschuldung von weiteren sechs Regionen des Landes zu streichen. Die Gesamtsumme der Schuldenbegleichung belief sich auf 3,75 Milliarden Rubel, was in Weltwährungen umgerechnet etwa 525 Millionen Dollar entspricht. Diese Entscheidung stellt einen weiteren Schritt dar, um die finanzielle Situation vor Ort zu stabilisieren, doch der ukrainische Geheimdienst sieht darin ein Anzeichen für einen bevorstehenden systemischen Zusammenbruch.

Wer von der Schuldenstreichung betroffen ist

Unter den Mechanismus der Schuldenstreichung fielen Subjekte der Föderation mit unterschiedlichem wirtschaftlichem Profil. Auf der Liste befinden sich die Republik Sacha (Jakutien), Tatarstan und der Chabarowsker Kraj. Auch die Schulden der Oblaste Wladimir, Kurgan und Omsk wurden annulliert. Diese Maßnahmen sollen die regionalen Haushalte entlasten, die unter enormem Druck stehen.

Defizitprognose und Status als »problematisch«

Laut Angaben des Auslandsgeheimdienstes (SBU) der Ukraine ist die Situation in der russischen Wirtschaft weit von Stabilität entfernt. Das russische Finanzministerium prognostiziert, dass das kumulierte Defizit der regionalen Haushalte bis 2026 1,9 Billionen Rubel (etwa 26,6 Milliarden Dollar) erreichen könnte. Derzeit haben mehr als 20 russische Regionen offiziell den Status finanziell problematischer Gebiete.

Experten des SBU nennen drei Hauptgründe, die die Regionen in den Abgrund treiben:

  • Abnahme der Steuereinnahmen in die Staatskasse.
  • Ungerechtfertigte Erhöhung der Sozialausgaben.
  • Steigende Belastung durch Militärausgaben, von denen die föderale Macht einen Teil auf die Schultern der Regionen abwälzt.

Systemisches »finanzielles Gnadenrecht«

Die Praxis der Schuldenstreichung für russische Föderationssubjekte ist keine einmalige Aktion mehr, sondern hat sich zu einem System entwickelt. Der Geheimdienst stellt fest, dass 2025 58 Regionen diesen Mechanismus nutzten, was es ermöglichte, ihre Schuldenportfolios um etwa 3,2 Milliarden Dollar zu reduzieren. Im Jahr 2026 wurden nach neuesten Daten bereits 54 Regionen von Schuldenverpflichtungen in Höhe von rund 2,4 Milliarden Dollar befreit.

»Tatsächlich ist der Kreml gezwungen, jedes Jahr eine Massen-Amnestie für seine eigenen Subjekte durchzuführen, damit diese nicht live im Fernsehen den Staatsbankrott erklären«, betonen sie im Auslandsgeheimdienst.

Abhängigkeit vom Zentrum und Militärausgaben

Im ukrainischen Ministerium wird angenommen, dass die derzeitige Situation eine wachsende Abhängigkeit der Regionen vom föderalen Zentrum zeigt, die sich vor dem Hintergrund des Krieges verstärkt. Die eigene Einnahmebasis der Regionen wächst nicht, die Ausgaben werden nicht gekürzt, und die Kriegswirtschaft saugt Ressourcen schneller auf, als sie wiederhergestellt werden können. Die Schuldenstreichung bietet den Regionen nur eine vorübergehende Erleichterung, beseitigt aber keine der tiefgreifenden Ursachen der Krise.

Zur Erinnerung: Ukrainische Angriffe auf die Infrastruktur der RF kosten den Kreml bereits Milliarden von Dollar und senken die Einnahmen aus dem Erdölexport erheblich, wie zuvor das Magazin The Economist berichtete. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass die RF eine schwere Wirtschaftskrise verschleiert, trotz der Aussagen Wladimir Putins über Stabilität und gute Indikatoren. Diese Daten basieren auf Geheimdienstinformationen, die aus dem Inneren des russischen Systems stammen.