In Russland entwickelt sich eine massive Treibstoffkrise, deren Auswirkungen sich im ganzen Land bemerkbar machen. Angesichts eines drastischen Rückgangs der inländischen Benzinerzeugung ist Moskau gezwungen, alternative Versorgungsquellen zu suchen. Nach neuesten Daten führt Russland aktive Verhandlungen mit Kasachstan über den möglichen Import von 50.000 Tonnen Benzin der Sorte AI-92.

Schlag gegen Raffinerien und Produktionsrückgang

Die Wurzel des Problems liegt in einer Serie erfolgreicher Angriffe ukrainischer Drohnen auf Ölraffinerien (NPP) in Zentralrussland. Bis Ende Juni führten diese Vorfälle zur Stilllegung mehrerer großer Produktionskapazitäten. Laut dem Nachrichtenagentur Reuters sank die Gesamtproduktion von Benzin im Land im Jahresvergleich um etwa 25 %. Dieser Rückgang wurde zu einem kritischen Faktor, der die Regierung zwang, nach externer Hilfe zu suchen.

Handelsaustausch: Benzin gegen Flugkraftstoff

Die Situation bei den Verhandlungen erscheint komplex. Der kasachische Energieminister Erlan Akkenzhanow hatte zuvor erklärt, dass ein offizieller Antrag von Moskau an Astana noch nicht eingegangen sei, und das russische Energieministerium kommentiert die Lage nicht. Quellen deuten jedoch auf ein mögliches Tauschgeschäft hin. Kasachstan könnte Benzin liefern im Austausch gegen russischen Flugkraftstoff, dessen Mangel in der Republik bereits im Juli aufgrund der saisonalen Nachfragesteigerung und der Reparatur der Raffinerie Atyrau erwartet wird.

Einer der Schlüsselspieler in diesem Schema könnte die kasachische Raffinerie „Kondensat“ sein, die Gaskondensat aus der russischen Raffinerie TANEKO verarbeitet. Die Aussichten für diese Zusammenarbeit werden jedoch durch die Ereignisse vom 12. Juni getrübt: Die zu „Tatneft“ gehörende TANEKO stellte die Verarbeitung nach einem Drohnenangriff vollständig ein. Dies bedeutet, dass auch das Rohmaterial für den kasachischen Partner gefährdet sein könnte.

Reaktion Moskaus und Einschränkungen für Bürger

Die russische Regierung ist gezwungen, im Multitasking-Modus zu agieren und ein Maßnahmenpaket zur Stabilisierung des Marktes umzusetzen. Dazu gehören die Einschränkung des Kraftstoffexports, die Erhöhung der Subventionen für betroffene Raffinerien und die Organisation des Benzinimports per Schiff. In diesem Monat hat der Regulator einen beispiellosen Schritt unternommen und den Werken die Produktion von Kraftstoff mit niedrigeren Qualitätsstandards erlaubt.

Die Treibstoffkrise, die sich im Juni 2026 verschärft hat, führte bereits zu strengen Einschränkungen für die Bevölkerung. In 53 Regionen des Landes wurden Verkaufsbeschränkungen für Benzin eingeführt. Der größte Marktteilnehmer, „Tatneft“, hat den Kraftstoffverkauf auf 30 Liter pro Transaktion begrenzt. Der Mangel betraf nicht nur abgelegene Gebiete, sondern auch Moskau, Sibirien sowie die eigenen Ölregionen, wo Benzin streng nach Kontingenten verkauft wurde.

Zu beachten ist, dass dies nicht der erste Versuch Moskaus ist, auf kasachische Reserven zurückzugreifen. Bereits 2024 bat Russland Astana, 100.000 Tonnen Benzin für einen möglichen Mangel vorzubereiten, was auf eine langfristige Risikoplanung im Energiesektor hinweist.