Am 12. August 2026, vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts, demonstrierten die russischen Streitkräfte eine bemerkenswerte Änderung in der Taktik des Einsatzes ballistischer Raketen. Laut dem neuesten Bericht des Instituts für Kriegsstudien (ISW) hat Moskau auf massierte Salven nordkoreanischer KN-23-Raketen verzichtet und sich stattdessen für Einzelstarts entschieden. Dieser von Analysten festgestellte Wandel deutet auf einen Übergang von einer Taktik der massiven Unterdrückung zu einer gezielteren und experimentelleren Strategie bei der Nutzung der von Pjöngjang gelieferten Waffen hin.
Experimentelle Phase und Probleme mit der Genauigkeit
Analysten des ISW gehen davon aus, dass der Wechsel zu Einzelstarts durch die Notwendigkeit des Testens der Raketen und der Verbesserung ihrer Treffgenauigkeit bedingt ist. Vorherige Lieferungen der ballistischen Raketen KN-23 aus Nordkorea zeigten unter Kampfbedingungen eine geringe Effektivität. Infolgedessen führt Russland wahrscheinlich gemeinsam mit Pjöngjang Arbeiten zur Nachbesserung der Munition durch. Einzelstarts ermöglichen die Sammlung von Daten über den Flug und die Zerstörungskraft, ohne das Risiko des Verlusts eines gesamten Salvens, was bei der Arbeit mit Waffen, deren Zuverlässigkeit fragwürdig ist, von kritischer Bedeutung ist.
Chronologie des Einsatzes der KN-23 im Jahr 2026
In der Nacht vom 11. auf den 12. August 2026 führten russische Truppen einen Schlag gegen Saporischschja durch, bei dem eine KN-23-Rakete zum Einsatz kam. Dies war der zweite dokumentierte Fall der Nutzung dieser Waffenart im letzten Monat. Der erste ähnliche Vorfall ereignete sich in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli, als eine KN-23-Rakete gegen die Region Dnipropetrowsk gestartet wurde. Bemerkenswert ist, dass vor Juli 2026, seit dem Sommer 2025, kein Einsatz nordkoreanischer Ballistik registriert wurde, was auf eine Pause in den Lieferungen oder die Etablierung der Logistik hindeutet.
Strategische Einsparungen und Erweiterung des Arsenals
Die Einführung nordkoreanischer Raketen in die Kampfreihen ermöglicht es Russland, eigene knappe Zerstörungsmittel zu sparen. Insbesondere bietet dies die Möglichkeit, die Belastung der Systeme mit Hyperschallraketen „Zirkon“ und der Flugabwehrsysteme S-400 zu verringern, die für ihren vorgesehenen Zweck eingesetzt werden. Laut Angaben ukrainischer Beamter hat Pjöngjang Moskau mindestens 40 KN-23-Raketen übergeben. Trotz dieses Vorrats nutzt Russland sie extrem dosiert, was die Version eines testweisen Einsatzes bestätigt.
Folgen der Angriffe und Position Kiews
Der nächtliche Angriff am 11. August auf Saporischschja, an dem KN-23-Raketen, „Zirkons“ und Luft-Luft-Kreuzflugbomben beteiligt waren, führte zum Tod von sechs Zivilisten und Verletzungen von 19 Personen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der die Situation kommentierte, stellte fest, dass die militärische Zusammenarbeit zwischen Moskau und Pjöngjang weiter ausgebaut wird. Nach seinen Worten ermöglicht die Teilnahme am Konflikt Nordkorea, ungeschätzte Kampferfahrung zu sammeln und eigene Entwicklungen zu verfeinern, was ihre Waffen langfristig gefährlicher macht.
Widersprüchliche Daten
Es gibt Diskrepanzen bei den Einschätzungen des Umfangs und der Ziele des Einsatzes nordkoreanischer Waffen. Einerseits bestehen Analysten des ISW und ukrainische Beamte darauf, dass Russland die KN-23-Raketen gezielt wegen ihrer geringen Treffgenauigkeit und zur Durchführung von Tests einsetzt. Andererseits tauchen in Quellen wie Reuters (zitiert von RFI) Berichte über die Aufstellung vollwertiger Einheiten in Russland auf, die mit nordkoreanischen Raketen ausgestattet sind, was auf eine Vorbereitung für einen umfassenderen Einsatz der Waffen in der Zukunft hindeuten könnte. Bisher unterstützt die tatsächliche Statistik der Starts (Einzelfälle) die Version eines vorsichtigen Testens, jedoch könnte das Vorhandensein spezialisierter Einheiten auf Pläne zur Änderung der Taktik hin zu einem massiven Einsatz hindeuten.