Russische Industrie übertrifft den Raketenproduktionsplan
Trotz bestehender Sanktionen und erheblicher Verluste an Luftfahrttechnik setzt Russland nicht nur die Produktion von Raketensystemen fort, sondern steigert sogar das Tempo. Laut Angaben des Militärischen Geheimdienstes erfüllt Russland bei den wichtigsten Raketentypen derzeit den Monatsplan auf einem Niveau von 110 bis 120 Prozent. Im Juli 2026 verschärfte sich die Situation noch: Der Produktionsplan für die Marschflugkörper Ch-101 wurde um 140 Prozent übertroffen, für „Kalibr“ um 111 Prozent und für den Marschflugkörper Ch-35 sogar um 200 Prozent.
Wadym Skybyzkyj, Generalmajor und stellvertretender Leiter des Hauptgeheimdienstes (HUR) des ukrainischen Verteidigungsministeriums, bestätigte diese Daten in einem Interview mit RBC-Ukraine. Er betonte, dass in naher Zukunft keine Pause bei den Angriffen auf ukrainisches Territorium zu erwarten ist, da der Gegner über einen stabilen Produktionsfluss von Munition verfügt.
Technische Probleme und Logistik der Angriffe
Trotz der hohen Produktionsraten steht die russische Seite vor technischen Problemen. Skybyzkyj berichtete, dass nicht alle Raketen beim Start funktionieren. Insbesondere defekte Ch-101-Raketen werden zur Überprüfung und Fehlerbehebung erneut an die Produktion zurückgeschickt, was auf Probleme bei der Montagequalität oder den Komponenten hindeutet.
Gleichzeitig werden die meisten produzierten „Kalibr“-Raketen derzeit nicht für direkte Angriffe auf die Ukraine eingesetzt, sondern dienen der Ausrüstung anderer Flotten. Alle neuen Kriegsschiffe und U-Boote Russlands werden mit diesen Systemen ausgestattet, wodurch faktisch ein strategischer Reservebestand geschaffen wird. Die ukrainische Luftabwehr schneidet bei ausreichender Anzahl von Flugabwehrraketen etwa 100 Prozent der „Kalibr“-Raketen ab.
Ballistische Raketen und neue Bedrohungen
Die Situation bei ballistischen Raketen bleibt kritisch. Stand 5. August 2026 beträgt der für die Truppenverbände bereitgestellte Vorrat an 9M723-Raketen (Iskander) etwa 130 Einheiten. Der geplante monatliche Produktionswert liegt bei 60 Einheiten, im Juli wurden jedoch 65 Raketen hergestellt. Dies deutet auf eine stabile Auffüllung des Arsenals hin.
Besondere Besorgnis erregt der Einsatz der Rakete RM-48U. Dies ist eine Boden-Boden-Rakete, die speziell für Angriffe auf Bodenziele konzipiert wurde, aber von den Startgeräten des Flugabwehrraketensystems S-400 abgefeuert wird. Der Gegner hat die Produktion dieser Rakete eingeführt: Der Plan für August beträgt etwa 40 Einheiten, und die geschätzten Vorräte erreichen 400 Einheiten.
Zirkon, Oniks und die Einstellung der Kinjal
Laut Angaben des Militärischen Geheimdienstes hat Russland den Jahresproduktionsplan für die Hyperschallraketen „Zirkon“ und „Oniks“ bereits im Sommer 2026 erfüllt. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden in Russland 33 „Zirkon“-Raketen und 60 „Oniks“-Raketen hergestellt. Dies bestätigt die These, dass Moskau in der Lage ist, sein Arsenal regelmäßig durch eigene Produktion aufzufüllen.
Gleichzeitig wurde die Produktion der „Kinjal“-Raketen eingestellt. Experten zufolge lag der Grund in der geringen Treffgenauigkeit. Die freigesetzten Ressourcen und Treibstoffe werden nun für die Produktion anderer ballistischer Raketen verwendet, was die Angriffe massiver und schwerer abzufangen macht.