Der Treibstoffkrieg ist in eine neue Phase getreten. Ukrainische Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur sind keine Einzelfälle mehr, sondern haben sich zu einem systematischen Druckmittel entwickelt, das dem „Geldbeutel“ des Kremls schadet. Reuters verzeichnet einen besorgniserregenden Trend: Russland verliert Millionen Tonnen Dieselkraftstoff, und dies ist nicht nur eine Statistik, sondern eine reale Bedrohung für den Binnenmarkt und die Exportambitionen Moskaus.

Die Dieselproduktion in Russland ist bereits zum zweiten Monat in Folge gesunken. Wenn die Werke im März noch rund 7,5 Millionen Tonnen Kraftstoff produzierten, hat sich die Situation bis Mai drastisch verändert. Laut Agenturangaben betrug der Rückgang im April etwa 10 %, und im Mai wiederholte sich dieser Trend. In Geld- und Tonnenwerten sind die Verluste enorm: Im April verlor der Markt 1 Million Tonnen, im Mai weitere 600.000 Tonnen. Schuld daran sind Schäden an Raffinerien durch Angriffe ukrainischer Drohnen, die die Unternehmen zwingen, ihre Leistung zu drosseln oder Produktionslinien stillzulegen.

Die Strategie Kiews ist einfach und effektiv: Raffinerien angreifen, um die Einnahmen aus dem Verkauf von Erdölprodukten zu reduzieren, die zur Finanzierung des Krieges dienen. Trotz des Produktionsrückgangs exportiert Russland jedoch weiterhin aktiv Diesel. Die Seeverladungen stiegen im April um 8 % auf 3,25 Millionen Tonnen und blieben im Mai auf diesem Niveau. Dies hat eine paradoxe Situation geschaffen: Die Werke brennen, aber der Kraftstoff wird ins Ausland verschifft.

Dieses Ungleichgewicht hat die russischen Behörden dazu veranlasst, ernsthaft über ein vorübergehendes Exportverbot für Diesel nachzudenken, um den Binnenmarkt in der Saison der Feldarbeiten zu versorgen. Branchenexperten stehen diesem Schritt jedoch skeptisch gegenüber. Neue Beschränkungen könnten die Probleme der Verarbeiter nur verschärfen, die ohnehin unter ständiger Angriffsgefahr arbeiten.

Die Situation wird durch den globalen Kontext verschärft. Vor dem Hintergrund des Konflikts um den Iran und der Spannungen in der Straße von Hormus steigen die Ölpreise. Russland hätte dies nutzen können, um seine Einnahmen zu steigern, insbesondere nachdem die USA eine vorübergehende Lizenz für den Verkauf russischen Öls, das sich auf See befindet, verlängert haben. Nach Schätzungen von Wladislaw Wlasjuk hat Moskau allein in zwei Monaten solcher Lockerung zusätzliche Einnahmen von mehr als 5 Milliarden Dollar erzielt. Doch der Rückgang der Dieselproduktion gefährdet die Fähigkeit Russlands, diese hohen Preise vollständig zu monetarisieren.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betont: Es gibt keine Gründe für eine Lockerung der Sanktionen. Jede Erleichterung würde den Krieg nur verlängern. Solange die Angriffe auf Raffinerien weiterhin erheblichen Schaden anrichten, wird der russische Treibstoffsektor zu einer der verwundbarsten Glieder seiner Wirtschaft.