Laut The Wall Street Journal, auf das sich RBC-Ukraine bezieht, prüft die russische Führung die Bereitschaft des Militärsystems, einen massiven Zustrom von Rekruten aufzunehmen. Eine endgültige Entscheidung über eine neue Mobilisierungswelle in Russland sei nach vorliegenden Informationen noch nicht gefallen, doch erhebliche Verluste an der Front könnten den Kreml zu diesem Schritt zwingen. Dies berichten ukrainische Medien am 24. August 2026 unter Verweis auf die amerikanische Zeitung.

Inspektionen in Kaliningrad und im ganzen Land

Nach Angaben des WSJ hatten im vergangenen Monat russische Militäroffiziere aus Sankt Petersburg die Exklave Kaliningrad inspiziert, um die Bereitschaft zur Mobilisierung der dortigen Bevölkerung sowie die Details ihrer Unterbringung, Verpflegung und Ausrüstung zu bewerten. Laut westlicher Geheimdienste finden derzeit ähnliche Prüfungen der Fähigkeit, Rekruten aufzunehmen, auf dem gesamten russischen Territorium statt. In mehreren Regionen wird die Vorbereitung von Übungsplätzen festgestellt, die auf die Möglichkeit getestet werden, eine große Zahl an Einberufenen unterzubringen und mit Material zu versorgen.

Die Hauptursache – Personalmangel

Als wesentliche mögliche Ursache für die Verkündung einer Einberufung nennt das Medium den Mangel an menschlichen Ressourcen: In den letzten Monaten sei Moskau laut seinen Angaben nicht gelungen, genügend Freiwillige und Vertragsangehörige zu rekrutieren, um die massiven Verluste auf dem Schlachtfeld auszugleichen. Hochrangige US- und europäische Beamte betonen, dass der Kreml die Einberufung wahrscheinlich nicht vor den Parlamentswahlen Ende September verkünden werde. Gleichzeitig lässt das Bestreben Wladimir Putins, den gesamten Donbas einzunehmen, laut Analysten wenig Alternativen. „Ich denke nicht, dass dies für Russland entscheidend sein wird, und in diesem Jahr ist es ohnehin zu spät, aber es könnte ein Faktor für 2027 werden. Wenn sie konkrete Ziele haben, etwa die Eroberung des restlichen Donbas, hätten sie sich vor einigen Monaten mobilisieren müssen“, so Michael Kofman, Senior Fellow am Carnegie Endowment.

Widersprüchliche Daten

In Veröffentlichungen und Aussagen der Beteiligten gibt es eine Diskrepanz bei der Bewertung der Zeitrahmen und der Endgültigkeit der Entscheidung. Einerseits betonen das WSJ und westliche Beamte, dass eine endgültige Entscheidung über eine neue Mobilisierungswelle noch nicht gefallen sei und die Einberufung bis Ende September, vor den Parlamentswahlen, wahrscheinlich nicht verkündet werde. Andererseits wird im selben Artikel ein konkreter Plan beschrieben: Nach den Wahlen wolle der Kreml angeblich eine „periphere“ Mobilisierung zur Gewinnung von zusätzlich 300.000 Menschen durchführen. Somit sprechen einige Quellen über das Fehlen einer finalen Entscheidung, andere über einen bereits ausgearbeiteten Szenario mit konkreten Zahlen; die Diskrepanz in Zeitrahmen und Grad der Bereitschaft bleibt offen.

Gesellschaftliche Reaktion und Abwanderung ins Ausland

Trotzdem die Rekrutierung formal freiwillig bleibt, haben Gerüchte über eine Einberufung bereits Besorgnis in der russischen Gesellschaft ausgelöst: Männer suchen aktiv nach Möglichkeiten, ins Ausland zu reisen. Am Grenzübergang „Werschny Lar“ zwischen Russland und Georgien wurde ein rekordhoher Tagesstrom festgestellt – mehr als 20.000 Personen. In Nachbarländern wie Georgien und Armenien ist wieder ein Anstieg der Preise für Immobilienmieten zu beobachten. Um eine soziale Panik wie bei der Septemberwelle 2022 zu vermeiden, haben die russischen Behörden laut dem Medium eine einheitliche elektronische Datenbank der wehrpflichtigen Männer eingerichtet, was die Versendung elektronischer Einberufungsbefehle und eine schrittweise Mobilisierung in kleinen Gruppen ermöglichen soll.

Schlag gegen die Wirtschaft und Fokus auf die Peripherie

Analysten warnen, dass eine großangelegte Mobilisierung einen weiteren Schlag gegen die russische Wirtschaft versetzen werde. „Sie müssen diese Menschen füttern, ihnen Wohnraum, Waffen und Bezahlung geben, und Sie nehmen sie vom ohnehin begrenzten Arbeitsmarkt weg. Das wird enormen Druck auf den Haushalt ausüben“, betonte Alexander Kozyrin, Direktor der Beratungsfirma Eurasia Group. Nach vorliegenden Informationen ist die Einberufung auf Regionen und die Peripherie ausgerichtet, um sozialen Druck in den großen zentralen Städten Russlands zu vermeiden, während die rechtliche Grundlage und Infrastruktur für eine mögliche Gewinnung neuer Kräfte bereits vorbereitet werden.