Das russische Kommando unternimmt Versuche, die Stadt Lyman zu umzingeln, wobei es eine taktische Aufstellung verwendet, die derjenigen aus dem Jahr 2022 identisch ist. Allerdings sieht die aktuelle Situation an der Front für die Besatzer laut Einschätzung des amerikanischen Instituts für Kriegsstudien (ISW) deutlich pessimistischer aus.

Analysten stellen fest, dass Moskau versucht, sich nördlich, nordöstlich und östlich von Lyman zu verankern. Dieser Manöver erinnert an die großangelegte Kampagne im Sommer 2022, als russische Truppen versuchten, einen breiten Kessel von Lyman im Nordosten bis nach Isjum im Nordwesten zu bilden. Damals scheiterte die Strategie: Im September und Oktober vertrieben ukrainische Truppen den Gegner innerhalb weniger Wochen sowohl aus Isjum als auch aus Lyman.

Verschlechterung der Positionen und unrealistische Ziele

Stand Juni 2026 ist die Frontlinie in diesem Sektor für Russland deutlich weniger günstig als vor vier Jahren. Der Versuch, Lyman erneut zu umzingeln und einen Durchbruch nach Slawjansk zu erzwingen, scheitert erneut. Experten des ISW weisen auf einen systematischen Fehler des russischen Kommandos hin: Es hat keine Lehren aus früheren Niederlagen gezogen und setzt weiterhin unrealistische Ziele, trotz der objektiven Verschlechterung der Kampffähigkeiten der Armee.

Die Prognose der Analysten ist eindeutig: Im Sommer 2026 wird Russland wahrscheinlich nicht einmal taktische Erfolge in Richtung Slawjansk erzielen, ganz zu schweigen von operativen Erfolgen.

Gesamtbild im Donbass

Die Situation beim Vorrücken im Donbass zeigt einen deutlichen Rückgang der Aktivität. Die Vorstöße in Richtung Pokrowsk und Konstantinowka sind vollständig zum Stillstand gekommen. Gleichzeitig bleiben die Verluste auf russischer Seite kritisch: Die monatlichen Verluste des Gegners beliefen sich auf 35.000 Personen.

Parallel zur Stagnation an Land ist eine Eskalation im Luftraum zu beobachten. Im Mai stellte Russland einen Rekord für die Anzahl der auf Ukraine abgefeuerten Drohnen seit Beginn der Invasion auf – 8.150 Drohnen. Das sind 24 % mehr als im April, was auf einen Versuch hindeutet, die Misserfolge an Land durch massive Luftangriffe auszugleichen.