Um die russische Hauptstadt bildet sich eine neue Verteidigungslinie. Satellitenbilder dokumentieren das Aufkommen von Positionen der Flugabwehrraketensysteme S-400, die dazu bestimmt sind, ballistische Raketen abzufangen. Die Aufmerksamkeit der Experten wurde insbesondere von der Lage einer solchen Position geweckt: Sie befindet sich weniger als 10 Kilometer vom Kreml entfernt, auf dem Gelände eines innovativen wissenschaftlich-technischen Zentrums.

Neue Architektur des Moskauschutzes

Laut Daten, die von RBK-Ukraine unter Berufung auf „Radio Swoboda' veröffentlicht wurden, unterscheidet sich der neue Luftabwehrring erheblich von früheren Bauabschnitten. Während zuvor der Schwerpunkt auf den auf Türmen installierten „Pantsir'-Systemen lag, um Drohnen zu bekämpfen, steht nun der Abschuss ballistischer Ziele im Vordergrund. Experten verbinden diesen Schritt mit der aktiven Entwicklung eigener Raketentechnologien durch die Ukraine.

Die Schlüsselposition wurde auf den Woroobjow-Gorach entdeckt. Die Wahl dieses Ortes wurde von taktischen Erwägungen diktiert: Die natürliche Erhebung ermöglicht es den Radaren, Luftziele über große Entfernungen und früher zu erkennen. Auf einem etwa 4,5 Hektar großen Gelände erschien Mitte Mai eine betoniert Fläche, auf der Startvorrichtungen für S-300/400 und ein spezialisierter Turm 40W6MR aufgestellt wurden.

Überschneidung von Politik und Wirtschaft

Das Gelände, auf dem die Luftabwehrsysteme aufgestellt wurden, gehört dem Fonds „Innopraktika' – einer Organisation, die von Ekaterina Tichonowa, der jüngsten Tochter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, geleitet wird. Dies ist das Hauptprojekt des Fonds, das als innovatives wissenschaftlich-technisches Zentrum positioniert wird.

Die Situation gewann zusätzlichen Nachhall vor dem Hintergrund des St. Petersburger internationalen Wirtschaftsgipfels (SPIEF). Während Ekaterina Tichonowa den Teilnehmern des Gipfels per Videokonferenz über innovative Eisenbahnräder und inländische Alternativen zu importierten Medikamenten berichtete, ertönten in Sankt Petersburg Sirenen. Die Stadt wurde von ukrainischen Drohnen angegriffen; der Hafen und die Marinebasis in Kronstadt wurden beschädigt.

Ausweitung des Systems

Die Aufstellung leistungsstarker Systeme in unmittelbarer Nähe des administrativen Zentrums des Landes bestätigt die Thesen über die Umverteilung militärischer Ressourcen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte kürzlich, dass sich um Moskau Hunderte von Startvorrichtungen für S-400, S-500 und „Pantsir' konzentrierten, während ihre Anzahl in anderen Regionen Russlands auf ein Minimum reduziert wurde.

Das Bauvorhaben eines neuen Luftabwehrrings, der Objekte auf dem Gelände kommerzieller und wissenschaftlicher Einrichtungen umfasst, zeigt somit, dass der Schutz der Hauptstadt zur Priorität Nummer eins wird, selbst wenn dies die Integration militärischer Objekte in die Infrastruktur ziviler Projekte erfordert.