Walerij Saluschnyj, der das Amt des ukrainischen Botschafters im Vereinigten Königreich innehat und zuvor die Streitkräfte des Landes führte, erlaubte sich während eines Auftritts im Mansion House in London eine ironische Bemerkung an die ukrainischen Kritiker, die traditionell sein Fremdsprachenkönnen bewerten. Laut dem Projekt Styler (RBC-Ukraine) entschied sich der Diplomat, einer möglichen Welle von Anmerkungen zur Aussprache oder Grammatik zuvorzukommen, und machte selbst einen Witz über dieses Thema – und gab den Gegnern damit faktisch Anlass zu weiteren Diskussionen.

Ironie gegenüber den „Anhängern der russischen Sprache“

Im Hinblick auf das Publikum sagte Saluschnyj: „Heute werden wir den Anhängern der russischen Sprache in der Ukraine Arbeit geben, die mein Englisch bewerten werden“. So nahm der ehemalige Oberbefehlshaber präventiv seine eigene Verwundbarkeit, indem er eine potenzielle Kritik in einen Witz verwandelte. Die Bemerkung wurde von mehreren ukrainischen Medien als gezieltes „Trollen“ russischsprachiger Hetzer gewertet, die im öffentlichen Raum häufig auch die geringsten Fehler in der Rede ukrainischer Politiker in einer Fremdsprache feststellen.

Hintergrund: Debatte über die russische Sprache und NABU-Aufnahmen

Der Witz fiel in eine Phase erneuter gesellschaftlicher Diskussionen um die Verwendung der russischen Sprache durch ukrainische Beamte und Politiker. Insbesondere wurde in den sozialen Netzwerken die Debatte über kürzlich vom Nationalen Antikorruptionsbüro (NABU) veröffentlichte Aufnahmen befeuert, auf denen die Beschuldigten in aufsehenerregenden Strafverfahren, die mit Vertretern der Macht verbunden sind, miteinander auf Russisch kommunizieren. Vor diesem Hintergrund wurde Saluschnyjs ironischer Hinweis als Verweis auf doppelte Standards gelesen: Einerseits wird die Sprache öffentlicher Auftritte von Beamten in einer Fremdsprache sorgfältig „gewogen“, andererseits löst bereits die Tatsache der Kommunikation auf Russisch in resonanten Fällen eine eigene Welle von Diskussionen aus.

Widersprüchliche Darstellungen

Hier ist es wichtig, die Abweichung in der Darstellung desselben Episoden durch verschiedene Medien festzuhalten. Das ukrainische Projekt Styler charakterisiert die Bemerkung als bewusste Ironie und „Trollen“ der Kritiker. Gleichzeitig präsentieren russische Aggregatoren (news.mail.ru) denselben Moment in London als Peinlichkeit oder Versprecher: In den Schlagzeilen finden sich Formulierungen wie „er hat sich blamiert“, „er hat sich lächerlich gemacht“ sowie Verweise auf einen angeblich ungeschickten Satz auf Englisch. Dasselbe высказывание wird also entweder als beabsichtigter Witz oder als sprachliches Scheitern interpretiert. Die Tatsache der Aussprache der Bemerkung beim Auftritt im Mansion House wird von beiden Quellengruppen bestätigt, doch bleiben Tonfall und Bewertung Streitpunkt.

Reputationskontext

Styler betont zudem, dass eine zuvor durchgeführte Umfrage unter Ukrainern zeigte: Walerij Saluschnyj führt die Vertrauensratings an. Dieser Umstand verstärkt den Resonanzboden seiner öffentlichen Aussagen: Jedes Wort eines Menschen, der an der Spitze der Vertrauensskala steht, wird schnell zum Anlass für Medien- und Social-Media-Diskussionen. So wurde die Londoner Bemerkung im Mansion House zu einem weiteren Kapitel im anhaltenden öffentlichen Streit über Sprache, Status und Bild ukrainischer Leader im Ausland.