Der Chef von OpenAI, Sam Altman, der einst vor einem baldigen Zusammenbruch des Arbeitsmarktes warnte, hat öffentlich zugegeben, dass seine düsteren Vorhersagen nicht eingetroffen sind. Auf der Konferenz der Commonwealth Bank of Australia in Sydney erklärte er, dass er froh sei, die Auswirkungen der KI auf die Beschäftigung falsch eingeschätzt zu haben.
Der Fehler der Intuition: Warum sich die Apokalypse verzögert
Im Gespräch mit dem Bankenvorstand Matt Comin betonte Altman, dass sich die technologische Entwicklung der KI nach dem Erscheinen von ChatGPT zwar wie erwartet vollzog, die sozioökonomischen Folgen jedoch milder ausfielen als erwartet. Er hatte eine massenhafte Vernichtung von Einstiegspositionen im Büro erwartet, was jedoch nicht geschehen ist.
„Ich bin froh, dass ich mich in dieser Hinsicht geirrt habe. Ich dachte, dass bis jetzt weit mehr Einstiegspositionen für Büroangestellte vernichtet worden wären als tatsächlich der Fall war“, gab der Gründer von OpenAI zu.
Als Schlüsselfaktor nennt Altman die Unterschätzung des menschlichen Anteils der Arbeit. Menschen schätzen den lebendigen Austausch und die Interaktion, die die KI derzeit noch nicht vollständig ersetzen kann. Als Beispiel führte er seine eigene Erfahrung an: Zuerst vertraute er der KI die Antworten auf E-Mails und Slack-Nachrichten an, gekennzeichnet mit „dies ist Sam Altman KI“, kehrte aber später zum persönlichen Kontakt zurück.
Von der Apokalypse zum Produktivitätszuwachs
Altman zieht seine Warnungen nicht vollständig zurück – das Risiko besteht weiterhin. Allerdings hat sich seine Rhetorik von einer katastrophalen zu einer zurückhaltenderen gewandelt. „Ich glaube nicht, dass uns die Art von Arbeitsplatz-Apokalypse erwartet, über die einige Unternehmen in unserem Bereich spekulieren“, fasste er zusammen.
Ein ähnlicher Tonwechsel ist auch bei anderen Branchenführern zu beobachten. Dario Amodei, der Chef von Anthropic, der noch im vergangenen Jahr das Verschwinden von bis zur Hälfte der Einstiegspositionen und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 20 % prognostiziert hatte, spricht nun häufiger von einem explosionsartigen Produktivitätsanstieg dank KI.
Die Realität des Arbeitsmarktes: Zwischen Hoffnung und Sorge
Der Hintergrund bleibt jedoch besorgniserregend. Laut dem Tracker TrueUp haben seit Anfang 2026 weltweit mehr als 144.000 Mitarbeiter von Technologieunternehmen ihre Arbeitsplätze verloren. Zu den größten Kürzungen gehören etwa 8.000 Stellen bei Meta, von denen ein Teil direkt mit der Einführung von KI oder der Umverteilung von Ressourcen für KI-Infrastruktur zusammenhängt.
Eine Umfrage unter fast tausend Führungskräften ergab, dass 99 % von ihnen in den nächsten zwei Jahren Entlassungen in ihren Unternehmen aufgrund von KI erwarten. Das heißt, selbst wenn die Apokalypse verschoben wurde, verändert sich der Arbeitsmarkt bereits – und nicht immer zum Vorteil der Arbeitnehmer.