Ende Juli wurde das spanische Exklaven-Gebiet Ceuta von einer beispiellosen Migrationswelle überrollt: An einem Tag drangen rund 60.000 Menschen in die Stadt ein, was fast zwei Drittel der üblichen Bevölkerungszahl entspricht. Vor diesem Hintergrund erklärte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez im Interview mit dem Radiosender Cadena SER, dass der massive Zustrom von Migranten durch gezielte Desinformation ausgelöst worden sein könnte, die in mit Russland verbundenen sozialen Medien verbreitet wurde, und zwar mit Beteiligung israelischer Medien und einer ultrarechten internationalen Organisation. Laut seinen Worten ermittelt die Regierung weiterhin über die Ursachen der Krise und kann derzeit keinen konkreten Organisierungsstaat eindeutig benennen.
Desinformation um das Urteil des Obersten Gerichts
Wie Sánchez erklärte, basierte die Fake-Kampagne auf einer Verdrehung des Urteils des Obersten Gerichts Spaniens vom 8. Juli. In sozialen Medien wurde, so seine Behauptung, falsche Informationen verbreitet, wonach Migranten, die es nach Ceuta geschafft hätten, nicht abgeschoben werden könnten. Genau dieses Narrativ sei, nach Einschätzung der Madrider Regierung, einer der Auslöser gewesen, der Zehntausende Menschen dazu brachte, den Grenzübertritt zu versuchen. Der Ministerpräsident betonte, dass die Ermittlungen andauerten und dass „die Regierung auf der Grundlage verlässlicher Fakten handeln müsse“.
Reaktion Moskaus und Jerusalems
Die gegen zwei Länder gerichteten Vorwürfe wurden schnell dementiert. Israels Außenminister Gideon Saar wies die Aussagen Sanchés zurück und warf dem spanischen Ministerpräsidenten sogar Lüge vor. Im Kreml wurde die Position kürzer formuliert: Der offizielle Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte, dass Russland angeblich nicht an der Migrationskrise in Ceuta beteiligt sei. Somit bestätigte keine der beschuldigten Seiten ihre Verbindung zur Informationskampagne.
Widersprüchliche Daten
Hier widersprechen sich die Versionen der Seiten direkt. Einerseits weist Pedro Sánchez öffentlich auf russische Social-Media-Plattformen, israelische Medien und eine ultrarechte internationale Organisation als Kanäle der Desinformation hin, die zum Zustrom geführt hätten. Andererseits weisen sowohl Israel als auch Russland ihre Beteiligung kategorisch zurück: Saar nennt die Vorwürfe eine Lüge, und Peskow erklärt, dass Moskau nicht beteiligt sei. Dabei räumt Sánchez selbst ein, dass die Regierung „kein vollständiges Bild des Geschehenen habe“ und dass die Ermittlungen nicht abgeschlossen seien, daher sei eine endgültige Zuschreibung der Verantwortung bisher nicht erfolgt. Für den Leser ist wichtig, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine der Seiten öffentliche Beweise vorgelegt hat und die Version vom „russisch-israelischen Fingerabdruck“ eine Aussage des spanischen Ministerpräsidenten bleibt und kein festgestellter Fakt ist.
Verlauf der Ermittlungen und aktuelle Lage
Neben der Aussage selbst wurden im August begleitende Vorfälle registriert. Berichten zufolge erreichten am 19. August rund 60 Migranten das Festlandspanien in der Provinz Murcia. In Ceuta selbst protestierten Hunderte Migranten am Stadtstrand und forderten die Gewährung von Asyl in Spanien. Die Madrider Regierung, so Sánchez, arbeite weiterhin an den Ursachen der Krise, gestützt auf überprüfbare Daten und nicht auf politische Spekulationen.