Der CEO von Microsoft, Satya Nadella, hat einen Artikel veröffentlicht, der in der Unternehmenswelt auf große Resonanz gestoßen ist. In seinem Blog thematisiert er eine Frage, die viele Unternehmen ignorieren: Die Nutzung geschlossener kommerzieller KI-Modelle kann zum Verlust wertvollster Daten führen und dazu beitragen, dass Technologieanbieter zu direkten Konkurrenten werden.

Die Gefahr des „digitalen Abgases“

Laut Nadella liegt die größte Gefahr nicht in der Nutzung von neuronalen Netzen an sich, sondern im Prozess ihrer Interaktion mit dem Unternehmen. Er führte den Begriff des „digitalen Abgases“ ein. Dazu gehören Prompts, die von IT-Spezialisten verfasst werden, Aktionen autonomer Agenten und, was am kritischsten ist, Korrekturen, die Mitarbeiter vornehmen, wenn das Modell einen Fehler macht.

Jede solche Korrektur ist ein fertiges institutionelles Know-how. Geschlossene KI-Labore sammeln diese Daten in ihren Systemen. Die Entwickler der Modelle erhalten so ein tiefes Verständnis für die einzigartigen Nuancen der Geschäftstätigkeit anderer – Wissen, das kein Konkurrent je auf dem offenen Markt hätte kaufen können.

Das Paradoxon des geistigen Eigentums

Nadella hat einen fundamentalen Interessenkonflikt aufgezeigt. Die Urheber geschlossener Systeme sammeln kostenlos Daten aus dem gesamten Internet, um ihre Algorithmen zu trainieren, setzen aber gleichzeitig strenge Einschränkungen für das „Distillieren“ – die Praxis, ihre Antworten zum Training anderer Modelle zu nutzen.

Gleichzeitig behalten sich die Unternehmen, die KI entwickeln, das ausschließliche Recht vor, aus der Interaktion mit Kunden zu lernen. Dies gibt ihnen das potenzielle Potenzial, zu direkten Konkurrenten für diejenigen zu werden, die für ihre Dienste bezahlen. „Indem Sie Intelligenz nutzen, schaffen Sie Intelligenz. Und das, was Sie schaffen, sollte nur Ihnen gehören“, fasst der Microsoft-Chef zusammen.

Strategie zum Schutz der Daten

Als Lösung schlägt Nadella vor, dass Unternehmen das volle Eigentumsrecht an ihren Prompts und Feedback behalten sollten. Er empfiehlt die Erstellung eigener geschlossener Trainingsumgebungen in der Cloud. Darüber hinaus ist es von kritischer Bedeutung, Orchestrierungstools (Gateways) einzuführen, die einen einfachen Wechsel zwischen verschiedenen Technologieanbietern ermöglichen, ohne an einen einzigen Anbieter gebunden zu sein.

Massiver Wechsel zu offenen Modellen

Die Warnung des Microsoft-Chefs bestätigt einen massiven Trend, den Analysten des IT-Marktes bereits feststellen. Große Konzerne, die mit geschlossenen kommerziellen Systemen experimentiert haben, beginnen, kostenlose Open-Source-Modelle auf eigenen Servern innerhalb der Unternehmen (On-Premise) zu installieren.

Laut dem Softwareentwickler Solo.io bevorzugen Giganten wie T-Mobile, ADP und SAP zunehmend die vollständige Kontrolle über „Hardware“ und Daten. Der moderne Open Source übernimmt bereits bis zu 90 % der Funktionen großer kommerzieller Modelle, kostet jedoch deutlich weniger.

Statistik des Wandels

Der Wandel wird deutlich durch Statistiken großer Entwicklungsplattformen. Die Unternehmen Vercel und OpenRouter verzeichneten einen rapiden Anstieg des Traffics in Richtung offener neuronaler Netze. Insbesondere entfielen im vergangenen Monat bereits 29 % des gesamten Datenvolumens, das durch die Netzwerk-Gateways von Vercel floss, auf offene Modelle.

Angesichts der Tatsache, dass sogar Microsoft – der Hauptinvestor von OpenAI und Anthropic – Unternehmen zur Vorsicht mahnt, bewegt sich der Markt für Unternehmens-KI unweigerlich in Richtung Dezentralisierung und strenger Wahrung der Geschäftsgeheimnisse.