Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) hat einen Versuch eines Auftragsmordes an einem bekannten öffentlichen Aktivisten in der Oblast Kiew vereitelt. Laut Gegeninformationen wurde die Liquidationsoperation von russischen Geheimdiensten organisiert und befand sich in der finalen Vorbereitungsphase. Der Ausführende wurde genau in dem Moment festgenommen, als er eine Hinterhaltstellung für den Angriff vorbereitete. Die Spezialoperation koordinierte persönlich der SBU-Chef, Generalmajor Alexander Poklad.

Mechanik des Attentats: Überwachung, Versteck und Hinterhalt im Wald

Die Ermittlungen ergaben, dass ein FSB-Agent über einen längeren Zeitraum die Tagesabläufe des Opfers beobachtete, seine Bewegungswege verfolgte und die Uhrzeit seiner morgendlichen Spaziergänge festhielt. Nach dem Plan der Auftraggeber sollte der Mord während eines gewöhnlichen Hundespaziergangs im Wald stattfinden. Der Ausführende holte aus einem Versteck – dessen Koordinaten ihm die russische Geheimdienststelle übermittelt hatte – eine Pistole mit Munition und Schalldämpfer. Anschließend sollte er nach Anweisung der Auftraggeber in einem Waldstück in der Nähe des Hauses des Aktivisten übernachten und bei Tagesanbruch einen Hinterhalt legen und mehrfach auf das Opfer schießen. Die SBU-Mitarbeiter deckten den Plan auf und nahmen den Killer fest, bevor das Verbrechen begangen werden konnte.

Wer war der Ausführende: Anwerbung über Nazi-Content in sozialen Medien

Den FSB-Auftrag führte ein 19-jähriger Bewohner von Mykolaiv aus, den der russische Geheimdienst nach Beobachtung seiner Aktivität in sozialen Medien angeworben hatte. Laut Ermittlungsergebnissen veröffentlichte der junge Mann Materialien zur Unterstützung der faschistischen und nazistischen Ideologie, was zum Anlass der Anwerbung diente. Nachdem die russischen Auftraggeber ihn zur Zusammenarbeit herangezogen hatten, wurde er nach Kiew geschickt, um dort einen nach ihrer Einschätzung „medienwirksamen Mord“ zu begehen. Bei Durchsuchungen wurden bei dem Festgenommenen drei Pistolen mit Schalldämpfern und Munition sowie Smartphones sichergestellt, die Beweise für die Zusammenarbeit mit der FSB enthielten.

Wer ermordet werden sollte: Quellen nennen einen Namen

Die offizielle Erklärung der SBU gibt die Identität des potenziellen Opfers nicht bekannt und beschränkt sich auf die Formulierung „öffentlicher Aktivist“. Allerdings berichteten RBC-Ukraine-Quellen in den Sicherheitsbehörden, dass es sich um Hennadij Druzenko handelt – Mitbegründer und Präsident des Ersten Freiwilligen Mobilhospitals Pirogow, Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Konstitutionsmodellierung, Teilnehmer der Revolution der Würde und Veteran des russisch-ukrainischen Krieges, der an Kämpfen im Bereich des Silawansky-Waldes teilnahm. Druzenko selbst kommentierte die Informationen über den Mordversuch zum Zeitpunkt der Erstellung des Materials öffentlich nicht.

Strafverfolgung und rechtliche Qualifizierung

Die SBU-Ermittler teilten dem Festgenommenen den Verdacht gemäß mehreren Artikeln des ukrainischen Strafgesetzbuchs mit: Abs. 2 Art. 111 (Hochverrat im Zustands des Kriegszustands), Abs. 1 Art. 14 und Nr. 11 Abs. 2 Art. 115 (Vorbereitung eines vorsätzlichen Auftragsmordes) sowie Abs. 1 Art. 263 (unerlaubter Umgang mit Waffen und Munition). Der Verdächtige wurde in Haft genommen. Die Höchststrafe nach Gesamtheit der Artikel ist lebenslange Freiheitsstrafe mit Vermögensverfall. Die Spezialoperation führten Mitarbeiter der SBU-Direktion in der Oblast Mykolaiv unter Koordination der SBU-Gegeninformationsabteilung und der prozessualen Leitung der Oblaststaatsanwaltschaft Mykolaiv durch.

Widersprüchliche Angaben

Die offizielle Mitteilung der SBU nennt den Namen des potenziellen Opfers nicht und beschränkt sich auf die allgemeine Beschreibung „öffentlicher Aktivist in der Oblast Kiew“. Gleichzeitig weisen RBC-Ukraine-Quellen in den Sicherheitsbehörden auf Hennadij Druzenko hin. Die Identifizierung einer konkreten Person stützt sich somit auf Angaben aus redaktionellen Quellen und nicht auf eine direkte Bestätigung der SBU. Darüber hinaus wird im Text der Erklärung der Rang des SBU-Chefs als „Generalmajor“ angegeben, was dem am Veröffentlichungszeitpunkt geltenden Status von Alexander Poklad entspricht. Abweichungen in Daten, Zahlen oder der Abfolge der Ereignisse zwischen der offiziellen Erklärung und den Angaben der Quellen wurden nicht festgestellt.

Kontext: Aufsehenerregender Fall im Dorf Milya

An einen anderen aufsehenerregenden Vorfall, der mit der Oblast Kiew verbunden ist, wurde im selben Informationsfeld erinnert: Zuvor war bekannt geworden, dass der Leiter einer SBU-Einheit im Zusammenhang mit Verstößen bei der Lagerung von Munition im Dorf Milya der Oblast Kiew verdächtigt wird. Nach einem russischen Angriff und einer anschließenden Detonation vor Ort kamen 35 Menschen ums Leben. Der Beteiligte jenes Falls wurde bereits in Haft genommen. Die Gesamtheit dieser Ereignisse unterstreicht die erhöhte Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden für Fragen der Sicherheit in der Oblast Kiew und für die Kontrolle des Waffenverkehrs im Zustands des Kriegszustands.