In Teheran haben sich Trauerzeremonien abgezeichnet, die dem Abschied vom Ajatollah Ali Chamenei gewidmet waren. Der iranische Führer starb am 28. Februar infolge eines Angriffs auf iranische Ziele während der Eskalation des Konflikts zwischen Israel, den USA und dem Iran. Doch das zentrale Ereignis der Beerdigung wurde weniger zum Abschied vom Verstorbenen als vielmehr zur Quelle neuer Intrigen um die Figur seines Nachfolgers.
Trauer ohne Erben
Am Sonntag beteten drei seiner Söhne – Mostafa, Meysam und Masoud – am Sarg des Ajatollah Chamenei. Ihre Anwesenheit wurde von staatlichen Medien dokumentiert, doch unter den Trauernden fehlte Modjtaba Chamenei. Genau er sollte gemäß der Hierarchie den Iran nach dem Tod seines Vaters führen und zum neuen Obersten Führer werden.
Das Fehlen von Modjtaba bei einem so bedeutenden Ereignis verstärkte nur die Gerüchte über seinen Zustand. Seit dem Angriff am 28. Februar war er nicht mehr öffentlich aufgetreten. Das staatliche Fernsehen zeigte die Särge des Ajatollah und vier Mitglieder seiner Familie im Innenhof der Großen Moschee von Imam Khomeini. Neben dem Leichnam des Führers ruhten die Überreste seiner Tochter, seines Schwiegersohnes, seiner Schwiegertochter und seiner 14 Monate alten Enkeltochter, die bei demselben Angriff ums Leben kamen.
Versionen über den Gesundheitszustand
Der Informationsraum ist mit widersprüchlichen Daten über das Schicksal des neuen Führers gefüllt. Quellen der Agentur Reuters, die dem Umfeld von Chamenei nahe stehen, berichten, dass er schwere Verletzungen erlitten hat. Ihren Angaben zufolge wurde sein Gesicht schwer entstellt, und er könnte auch Beinverletzungen erlitten haben.
Medien berichten, dass Modjtaba Chamenei nach dem Angriff auf den Bunker nur knapp überlebte, indem er ihn wenige Sekunden vor der Explosion verließ. Laut CNN erhält er weiterhin Behandlung für schwere Verbrennungen an Gesicht, Arm, Rumpf und Bein. Die amerikanische Aufklärung kann seinen genauen Aufenthaltsort bisher nicht bestätigen.
Gerüchte über eine Behandlung in Russland
Eine der lautesten Vermutungen war die Theorie eines geheimen Transfers von Modjtaba Chamenei nach Moskau. Nach Medienberichten könnte er sich in einer der Residenzen des russischen Führers Wladimir Putin befinden. Diese Gerüchte bleiben vorerst unbestätigt, spiegeln aber die Spannung um die Figur des neuen Obersten Führers wider.
Gleichzeitig glauben die USA, dass Modjtaba Chamenei eine Schlüsselfigur bei der Gestaltung der militärischen und verhandlungspolitischen Strategie Teherans gegenüber den USA war. Sein Fehlen auf der öffentlichen Bühne während der Beerdigung seines Vaters erzeugt ein Informationsvakuum, das mit Spekulationen über die Zukunft der iranischen Politik gefüllt wird.