Der nächtliche Angriff russischer Truppen auf die Ukraine am 15. Juni erwies sich nicht nur als militärische Operation, sondern auch als politischer Akt, der mit dem Geburtstag des US-Präsidenten Donald Trump verknüpft ist. Dies erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der an diesem Tag zerstörte Objekte in Kiew besuchte.
„Absolut zynisch': die Position Kiews
Der Staatsoberhaupt der Ukraine, der sich auf dem Gelände der Kiewer Höhlenklosters befand, das bei dem nächtlichen Beschuss beschädigt wurde, bezeichnete die Handlungen der russischen Führung als zynisch. Laut Selenskyj richtete Wladimir Putin zunächst ein Glückwunschschreiben an Donald Trump und autorisierte unmittelbar danach einen massiven Schlag gegen das ukrainische Territorium.
„Er hat wie immer absolut zynisch zuerst den US-Präsidenten beglückwünscht und danach absolut zynisch einen massiven Schlag gegen die Ukraine geführt; ich denke, das ist kein Zufall', betonte der ukrainische Führer.
Selenskyj fügte hinzu, dass die Vorbereitung auf diesen Angriff mehrere Tage dauerte. Die russische Seite habe nicht nur Raketenkomplexe akkumuliert, sondern gezielt auf den Moment gewartet, um den Schlag erst nach der offiziellen Geburtstagsgratulation an den amerikanischen Führer durchzuführen.
Umfang des Angriffs und Zerstörungen
In der Nacht zum 15. Juni feuerte Russland eine beispiellose Menge an Munition auf die Ukraine ab: 70 Raketen und 611 Drohnen. Das Hauptziel des Angriffs war Kiew; zudem wurden Dnipro und Charkiw beschossen. Laut Selenskyj waren mehr als 60 Raketen gezielt auf die Hauptstadt gerichtet.
Die Folgen des Angriffs waren tragisch: In Kiew kamen mindestens fünf Menschen ums Leben, weitere mehr als 30 wurden verletzt. In der Stadt wurden zahlreiche Schäden an der Infrastruktur und an Objekten des kulturellen Erbes registriert.
Zerstörung historischer und logistischer Objekte
Zu den betroffenen Objekten gehörten Orte von großer historischer und wirtschaftlicher Bedeutung:
- Kiewer Höhlenkloster: Nach dem Treffer brach auf dem Gelände des alten Klosters ein Feuer aus, das dem Weltkulturerbe Schaden zufügte.
- Logistik: Der größte und modernste Sortierterminal von „Nova Poshta“ wurde zerstört, was einen schweren Schlag gegen das Logistiksystem des Landes darstellt.
- Kultur und Kunst: Die Dovzhenko-Filmstudios wurden angegriffen, wobei eine einzigartige Kostümsammlung vernichtet wurde. Auch der Nationale Kultur-, Kunst- und Museumskomplex „Mystezkyj Arsenal' erlitt Schäden, wo ein Großbrand ausbrach.
Der Sprecher der ukrainischen Luftstreitkräfte, Jurij Ignat, merkte an, dass der aktuelle Angriff in vielerlei Hinsicht dem massiven Beschuss am 2. Juni ähnelte, jedoch entscheidende Unterschiede in der Taktik und der Zielauswahl aufwies.
Reaktion der Parteien
Das russische Verteidigungsministerium berichtete traditionell von Schlägen gegen „militärische Ziele', kommentierte dabei jedoch nicht die Schäden an zivilen und kulturellen Objekten. In Kiew hingegen, wo sich Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko gemeinsam mit Präsident Selenskyj am Ort des Vorfalls befand, werden massive Schäden und menschliche Opfer registriert.
Die Ereignisse spielten sich vor dem Hintergrund der Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag von Donald Trump ab. Gestern, am 14. Juni, wurde der ehemalige US-Präsident offiziell zum ältesten amtierenden Führer in der Geschichte der Vereinigten Staaten, was aus Sicht Kiews den Auslöser für die Wahl des Angriffszeitpunkts durch die russische Seite darstellte.