In der Nacht zum 2. Juli erlebte die ukrainische Hauptstadt einen der umfassendsten kombinierten Angriffe der letzten Zeit. Russische Truppen setzten Drohnen und verschiedene Rakettentypen ein und griffen sieben Bezirke Kiws an. Widersprüchliche Informationen über die Ziele des Angriffs und seine Folgen werden weiterhin von beiden Konfliktparteien gemeldet.
Die Version des russischen Verteidigungsministeriums: Schlag gegen ein militärisches Unternehmen
Das russische Verteidigungsministerium erklärte offiziell, dass im Rahmen des massiven Angriffs auf Kiew ausschließlich militärische Objekte getroffen wurden. Insbesondere behauptet das Ministerium, dass das Ziel nicht Wohngebäude, sondern ein Unternehmen der Radioelektronikindustrie war.
Laut Informationen, die über den Telegram-Kanal des Verteidigungsministeriums verbreitet und von RBC-Ukraine bestätigt wurden, griffen russische Streitkräfte die LLC „RADIONICS' an. Das Ministerium behauptet, dass dieses Unternehmen für die Herstellung von kritischen Komponenten für Raketensysteme verantwortlich ist:
- Steuerungssysteme für bodengestützte Marschflugkörper großer Reichweite „Flamingo';
- Operativ-taktischen Raketen „Fire Point-7' und „Fire Point-9';
- Gelenkten Raketen „Neptun-MD';
- Gelenkten Flugabwehrraketen.
Vertreter des russischen Militärs berichten traditionell nicht über mögliche Opfer unter der Zivilbevölkerung oder Zerstörungen in Wohnvierteln, sondern bestehen auf der präzisen Zerstörung militärischer Infrastruktur.
Die Realität vor Ort: Zerstörungen und Brände
Während Moskau das Ziel als „militärisch' bezeichnet, registrieren ukrainische Rettungskräfte massive Zerstörungen der zivilen Infrastruktur. Der Staatliche Dienst für Notfälle (GSCHS) veröffentlichte Fotos der Folgen des Angriffs, auf denen direkte Treffer sichtbar sind.
Feuerwehrmannschaften mussten großflächige Brände in Wohnhochhäusern, im Einfamilienhausbereich und in industriellen Lagern löschen. Besondere Aufmerksamkeit der Rettungskräfte erforderte ein Gebäude im Schewtschenko-Bezirk – dort brach in einer dreistöckigen Notstromstation der medizinischen Notfallversorgung ein Feuer aus.
Folgen des Angriffs: Zahlen und Fakten
Laut Angaben der ukrainischen Behörden trafen die Angriffe mehr als 30 Standorte in allen Bezirken der Hauptstadt. Der GSCHS bestätigt erhebliche direkte Treffer in Wohnhäusern, was die Version eines ausschließlich punktuellen Angriffs auf eine Militärfabrik widerlegt.
Nach den neuesten Schätzungen kamen in Kiew infolge des Angriffs:
- Mehr als 10 Menschen ums Leben;
- Fast 90 Menschen wurden verletzt;
- In sieben Verwaltungsbezirken der Stadt wurden Zerstörungen registriert.
Die Lage in der Stadt bleibt angespannt; Rettungsarbeiten finden weiterhin an Orten von Einstürzen und Bränden statt.