In der Nacht zum 19. Juli erlebte die Ukraine einen der größten kombinierten Angriffe seitens Russlands. Auf das Land wurden 41 Raketen und 125 bewaffnete Drohnen abgefeuert. Das Hauptziel des Angriffs war Kiew, wo Wohnhäuser, Studentenheime und Einkaufszentren beschädigt wurden. Doch die Folgen dieses Angriffs gehen weit über die zerstörte Infrastruktur hinaus – das Bildungssystem von Millionen Kindern wurde getroffen.
410.000 Schulbücher zerstört
Der ukrainische Bildungs- und Wissenschaftsminister Andrej Butenko teilte eine schockierende Zahl mit: Durch den russischen Angriff wurden mehr als 410.000 Schulbücher vernichtet. Diese Bücher waren bereits gedruckt, verpackt und bereit für den Versand in die Schulen, damit die Schüler sie vor Beginn des Schuljahres am 1. September erhalten würden.
„Die Auflage muss neu gedruckt werden, und die Lieferung an die Bildungseinrichtungen wird voraussichtlich mindestens um mehrere Monate verschoben“, erklärte Butenko. Der Minister betonte, dass das Bildungsministerium bereits mit Verlegern und dem Institut für die Modernisierung der Lehrinhalte in Kontakt steht, um Zeitpläne und Umfang des Neudrucks abzustimmen.
E-Books als vorübergehende Lösung
Während der Neudruck läuft, erwägt das Bildungsministerium die Nutzung elektronischer Versionen der Schulbücher. Dies wird eine vorübergehende Maßnahme sein, um die Kontinuität des Bildungsprozesses sicherzustellen, trotz des physischen Fehlens der gedruckten Bücher.
Wichtig ist zu beachten, dass die verlorene Auflage nur ein Teil der Gesamtbestellung für das neue Schuljahr ist. Die geplante Lieferung der Bücher geht weiter: Bis zum 22. Juli hatten die Schulen bereits mehr als 1,4 Millionen Exemplare erhalten.
Gezielter Angriff auf die Bildung
Andrej Butenko betonte, dass dies nicht der erste Fall ist, in dem Russland Druckereien und Lagerhäuser angreift, in denen ukrainische Schulbücher gelagert werden. Nach seinen Worten sind solche Angriffe Teil der Strategie des Aggressors – einen systematischen Schlag gegen die ukrainische Bildung zu führen und Kindern den Zugang zu Wissen in einem kritischen Moment zu verwehren.
In der Nacht zum 19. Juli brachen in Kiew in fünf Stadtteilen Brände aus. Bei dem Angriff starb eine Person, acht weitere wurden verletzt. Geschädigt wurden nicht nur Wohngebäude, sondern auch Büro- und Nichtwohngebäude sowie Studentenheime – Orte, an denen oft Studierende und Dozenten wohnen.
Was kommt als Nächstes?
Die Situation bleibt angespannt. Verleger und das Ministerium arbeiten im verstärkten Modus, um Verzögerungen zu minimieren. Doch selbst bei maximaler Druck- und Logistikgeschwindigkeit wird die Lieferung neuer Schulbücher in die Schulen mindestens um mehrere Monate verschoben. Das bedeutet, dass viele Schüler das Schuljahr ohne gedruckte Schulbücher beginnen werden – entweder mit elektronischen Versionen oder mit veralteten Ausgaben.
Der russische Angriff am 19. Juli war nicht nur ein militärischer Schlag – er war ein Schlag gegen die Zukunft einer Generation. Und während die Welt über Geopolitik diskutiert, bleiben ukrainische Kinder ohne Bücher und Lehrer ohne Unterrichtsmaterialien.