Die schwedische Luftwaffe hat die Integration des deutsch-schwedischen Marschflugkörpers Taurus (KEPD 350) in die JAS 39 Gripen-Kampfflugzeuge abgeschlossen und Ende August 2026 den ersten scharfen Start von einer Gripen C aus durchgeführt. Nach Angaben von RBC-Ukraine erhielt die schwedische Seite für Tests und die anschließende Bewaffnung eine Charge Taurus-Raketen aus den Beständen der Bundeswehr; die genaue Anzahl der übergebenen Munition bleibt als Verschlusssache eingestuft. Dieses Ereignis stellte einen bemerkenswerten Schritt bei der Modernisierung der schwedischen Luftfahrt dar und warf gleichzeitig die Frage auf, warum diese Waffe, die Kiew für Angriffe auf russisches Territorium gefordert hatte, niemals direkt an die Ukraine geliefert wurde.

Erster Start von einer Gripen C

Das schwedischen Militär veröffentlichte ein 14-sekündiges Video, das den Abschuß einer Taurus-Rakete von einem Gripen C-Kampfflugzeug festhält. Berichten zufolge fand der Test auf dem Testgelände Vidsel in der Provinz Norrbotten statt. Markierungen auf der abgefeuerten Rakete wiesen auf das Vorhandensein eines Gefechtskopfes hin, was nach Ansicht von Experten als zusätzliches Argument dafür diente, dass bei den Tests echte Kampfmuniiton und kein Übungsmodell verwendet wurde. Für die Gripen-Plattform, die zuvor nicht für diese Waffe zertifiziert war, bestätigte der Start die Funktionsfähigkeit der gesamten Kette „Flugzeug — Rakete — Steuerungssystem“.

Woher die Raketen stammen: Deutschland und andere Betreiber

Die ursprüngliche Taurus-Serie wird nicht mehr produziert, was Beobachter zu der Annahme veranlasste, Schweden habe die Munition aus den Beständen eines anderen Staates erhalten. Neben Deutschland setzen auch Spanien und Südkorea Taurus-Raketen ein. Open-Source-Daten zufolge beschaffte die Bundeswehr zwischen 2005 und 2010 rund 600 Taurus-Raketen zur Bestückung ihrer Tornado-Flugzeuge; seither wurden mehrere Teststarts mit dem System durchgeführt, und es wird erwartet, dass die Rakete bei der deutschen Luftwaffe bis Mitte der 2040er Jahre im Dienst bleiben wird. Wichtig ist, dass die Raketen allein für einen vollständigen Einsatz nicht ausreichen: Es ist ein Missionsplanungssystem erforderlich, um vor dem Start geodätische Daten in die Munition zu laden. Es bleibt unklar, ob Schweden nur das für die Integrationsarbeiten notwendige Volumen oder eine für den Kampfeinsatz ausreichende Charge erhalten hat.

Rekordverdächtige Integrationszeit

Das Joint Venture Taurus Systems GmbH (TSG), gebildet aus MBDA Deutschland und Saab, gab die Integration von Taurus in die Gripen als Erreichen eines wichtigen Meilensteins „in Rekordzeit“ bekannt. Nach Einschätzung von Defense Express-Analysten gingen ursprüngliche Planungen aus dem Jahr 2025 davon aus, dass die Arbeiten an der JAS 39C/D nicht vor 2028 abgeschlossen sein würden, was bedeutet, dass die Integration mehr als ein Jahr früher als geplant fertiggestellt wurde. Die Beschleunigung der Arbeiten wurde bereits im Dezember 2025 vom Befehlshaber der schwedischen Luftwaffe erwähnt, und in der zweiten Augusthälfte 2026 bestätigte das schwedische Militär offiziell den ersten Taurus-Start von einer Gripen. Damit hat eine europäische Plattform ein neues Langstrecken-Angriffsmittel erhalten, was den Kreis der Staaten erweitert, die diesen Marschflugkörper einsetzen können.

Kontext: Taurus und die Frage der Übergabe an die Ukraine

Die Integration von Taurus in schwedische Kampfjets gewinnt vor dem Hintergrund an zusätzlicher Bedeutung, dass die Ukraine Berichten zufolge bereits 2027 gebrauchte schwedische Gripen erhalten soll. Dies bedeutet, dass Kiew perspektivisch eine mit dieser Waffe kompatible Plattform erhalten könnte. Die Frage der Übergabe von Taurus an die Ukraine blieb in Deutschland umstritten: Im März 2026 erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz laut RBC-Ukraine-Berichten, er sehe keinen Sinn mehr darin, Taurus-Raketen an die Ukraine zu übergeben, da er ukrainische Waffen für effektiver halte. Gleichzeitig hatte Merz in der Opposition mehrfach die Absicht geäußert, diese Raketen für Angriffe auf russisches Territorium zu übergeben, und schloss eine solche Übergabe im Juli 2025 nach seinem Amtsantritt nicht aus. Ende 2025 wurde er im deutschen Parlament aufgefordert, langreichende Taurus-Raketen an die Ukraine zu liefern, wobei an seine früheren öffentlichen Positionen erinnert wurde.