Die Rettung der weltweiten Gletscher muss nach Einschätzung von Forschern oberste Priorität für globale Entscheidungsträger werden — insbesondere nach den Katastrophen, die im August 2025 Nepal und Tibet (China) heimsuchten. Vor diesem Hintergrund wurde in den Alpen ein ungewöhnliches, aber laut ersten Daten funktionierendes Experiment umgesetzt: Schweizer Wissenschaftler bedeckten einen Teil eines Gebirgsgletschers mit Schafwollbahnen, um zu testen, ob dieses natürliche Material die Wärmeaufnahme verhindern und das Eisschmelzen verlangsamen kann. Das Ergebnis war im positiven Sinne überraschend: Die Wolle erwies sich als ebenso wirksam wie herkömmliche synthetische Abdeckungen.
«Save the Wool»: Wie das Experiment in den Alpen funktioniert
Das Projekt mit dem Namen «Save the Wool» wurde von der Umweltorganisation Summit Foundation und der Universität Lausanne geleitet. Die Tests fanden am Tsanfleuron-Gletscher in der Westschweiz statt — einem etwa 3,5 km langen Gletscher. Forscher legten zwei Wollprobendecken auf einer Fläche von rund 200 Quadratmetern aus und verglichen alle zwei Wochen die Wirksamkeit der Wollabdeckungen mit synthetischen Planen, die traditionell zum Schutz des Eises vor Hitze eingesetzt werden.
Warum ausgerechnet Schafwolle
Normalerweise wird Eis mit synthetischen Plastikfolien abgedeckt, damit es keine Wärme absorbiert. Das Problem ist, dass solche Materialien nicht biologisch abbaubar sind und die Umwelt zunehmend belasten. Daher wechselten die Wissenschaftler im neuen Experiment zu Schweizer Schafwolle. Projektdaten zufolge werden in der Schweiz jährlich 40 % bis 70 % der produzierten Wolle weggeworfen. Ihre Verwendung als wärmedämmende und lichtreflektierende Schicht bringt einen doppelten Nutzen: Es müssen kein Plastik produziert und entsorgt werden, und die Wolle selbst kann in einem neuen Bereich eingesetzt werden, statt auf der Müllhalde zu landen.
Ergebnisse: Wolle funktioniert nicht schlechter als Synthetik
Die Analyse zeigte, dass die Wolle dazu beitrug, den Eisverlust fast auf das Niveau von Polyethylenfolie zu reduzieren. Im Wesentlichen erfüllte das natürliche Material dieselbe Aufgabe — das Eis vor Erwärmung zu schützen —, jedoch ohne den ökologischen Fußabdruck von Plastik. «Jetzt haben wir eine umweltfreundliche Lösung, die nicht nur eine Idee ist, sondern etwas, das wir sehen und anfassen können», erklärte Eliot Gapio, ein Student der Universität Lausanne, der an der Studie teilnahm.
Keine Allheilmittel, sondern Teil der Lösung
Trotz der positiven Ergebnisse betonen die Forscher: Dies ist keine fundamentale Lösung für das Problem des Klimawandels. Die Hauptaufgabe zur Verhinderung des Verschwindens von Gletschern bleibt die Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Der Kontext macht frühe Maßnahmen besonders dringend: Die Überschwemmungen in Nepal wurden durch den Ausbruch eines Gletschersees verursacht — während Gletscher kontinuierlich schmelzen und temporäre Speicherbecken entstehen, brachen Eiswände, die dem Druck nicht mehr standhalten konnten, zusammen, und Flutwetter strömten in das Tal. Wissenschaftler warnen, dass sich der Himalaya schneller als andere Regionen erwärmt und Naturkatastrophen wie in Nepal und Tibet häufiger werden könnten, wenn nicht frühzeitig entschlossen gehandelt wird.