Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem Interview mit der Financial Times ein Szenario skizziert, das seiner Meinung nach zum entscheidenden Faktor für das Ende des großangelegten Krieges werden könnte. Der Staatsoberhaupt äußerte die Überzeugung, dass eine Steigerung der Intensität der Angriffe auf die russische Hauptstadt eine Bedrohung für die persönliche Sicherheit Wladimir Putins darstellen und ihn dazu zwingen würde, Moskau zu verlassen.

Strategie des Drucks auf den Kreml

Laut Selenskyj haben die aktuellen Angriffsvolumina noch nicht den kritischen Punkt erreicht. Er betonte, dass sich die Situation ändern werde, wenn nicht mehr Hunderte, sondern Tausende von Drohnen auf Moskau zufliegen. In einem solchen Fall, so die Ansicht des ukrainischen Führers, werde der russische Präsident die Dimension der Bedrohung persönlich erkennen.

Selenskyj spekulierte, dass im Falle einer echten Gefahr für das Leben Putins Berater den Staatschef dringend empfehlen würden, sich an einen sichereren Ort zu verlegen – „irgendwo hinter den Ural'. Der ukrainische Präsident zog aus dieser hypothetischen Situation ein direktes Fazit: Je weiter Putin vom Zentrum der Entscheidungsfindung in Moskau entfernt ist, desto schneller wird das Kriegsende eintreten.

Angriffe auf die Energieinfrastruktur

Die Worte Selenskyjs werden durch Fakten der letzten Wochen untermauert. Ukrainische Drohnen haben bereits wiederholt ihre Fähigkeit demonstriert, Moskau zu erreichen und Schäden an Schlüsselobjekten zu verursachen. Das deutlichste Beispiel waren die Angriffe auf das Moskauer Erdölraffinerie-Werk (NPP) im Stadtteil Kapotnja, das strategisch wichtig für die Kraftstoffversorgung der Hauptstadt ist.

Im Juni wurde das Werk Ziel zweier schwerer Angriffe:

  • 16. Juni: Die Anlage für die Primärdelung von Erdöl AVT-6 wurde beschädigt und fing Feuer. Diese Einheit versorgte etwa 53 % der Kapazität des Werkes. Infolge des Angriffs musste das Werk die Verarbeitung vollständig einstellen.
  • Nacht zum 18. Juni: Die Anlage „Euro+' wurde beschädigt, die für weitere 47 % der Kapazität verantwortlich war, sowie Tanks und Rohrleitungen.

Laut Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sind die Zerstörungen so umfassend, dass ein Wiederaufnahme des Betriebs der Moskauer Raffinerie vor Ende 2026 unwahrscheinlich ist.

Ziel: Komplette Abschaltung der Hauptstadt

Russische Medien berichteten kürzlich, dass ukrainische Kräfte ihre Bemühungen darauf konzentriert haben, die beiden letzten verbleibenden Erdölraffinerien, die Moskau mit Kraftstoff versorgen, „abzuschalten'. Diese Daten bestätigen, dass die Strategie Kiews auf die systematische Zerstörung der Logistik und Energiesicherheit der russischen Hauptstadt abzielt, was langfristig das von Wolodymyr Selenskyj beschriebene Szenario verwirklichen könnte.