Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Idee einer Abschwächung oder Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen Russland scharf kritisiert. Nach seiner Auffassung stellen jegliche Schritte in diese Richtung einen fatalen Fehler dar, der lediglich die Rüstungsindustrie des Aggressors stärken und seiner Armee Ressourcen zuführen würde.
Hierzu äußerte sich der Staatsoberhaupt in seinem offiziellen Telegram-Kanal, wie Medien unter Berufung auf RBC-Ukraine berichten. Selenskyj betonte, dass die Aufhebung von Beschränkungen kein diplomatischer Gestus sei, sondern eine direkte Unterstützung der Besatzungstruppen durch Hilfe für den russischen militärisch-industriellen Komplex.
Das wirtschaftliche Argument: Warum der Markt nicht reagiert
Der ukrainische Staatschef widmete besonderes Augenmerk den wirtschaftlichen Folgen. Er stellte fest, dass frühere Versuche, den Sanktionsdruck zu verringern, keine Dividenden für den globalen Markt gebracht haben.
„Nach der Lockerung einiger Sanktionen haben wir keine Überraschungen gesehen, wie etwa einen Rückgang der Weltmarktpreise für Öl, Gas oder Diesel', erklärte Selenskyj.
Der Präsident führte eine konkrete Zahl als Argument an: Der Anteil des russischen Öls beträgt lediglich 5 % der weltweiten Lieferungen. In diesem Zusammenhang bezweifelte er die Wirksamkeit einer Liberalisierung des Beschränkungsregimes und stellte die rhetorische Frage, wie ein so geringer Anteil die Marktlage wesentlich verändern könnte.
Die Psychologie des Kremls und die Notwendigkeit von Stärke
Nach Ansicht Selenskyjs werden Versuche, den Druck zu mildern, oft mit dem Wunsch nach einem Dialog mit Moskau gerechtfertigt. Der ukrainische Staatschef hält diesen Ansatz jedoch für absolut falsch. Er ist überzeugt, dass die russische Führung diplomatische Argumente nicht konstruktiv aufnehmen kann.
„Sie verstehen keine Worte oder Empathie und nehmen dies als Zeichen von Schwäche auf', betonte der Präsident.
Anstatt Zugeständnisse zu machen, fordert Selenskyj das Gegenteil: „Wir müssen stark sein und gegen sie mehr Sanktionen verhängen“.
Kontext: Beschuss und Herausforderungen für die NATO
Diese Äußerungen erfolgten vor dem Hintergrund anhaltender Angriffe. Zuvor hatte Selenskyj darauf hingewiesen, dass für die Beendigung der regelmäßigen Beschüsse ukrainischer Städte eine Konsolidierung der internationalen Gemeinschaft und die Fortsetzung eines harten Drucks notwendig seien. Nach seinen Worten müssten die Weltführer die wirtschaftlichen Beschränkungen verschärfen und sogenannte „Langstreckensanktionen“ verhängen.
Zudem verschärft sich die Situation dadurch, dass die Streitkräfte der Ukraine versuchen, russische Drohnen abzuschießen, die in Richtung Polen und der baltischen Staaten fliegen. Selenskyj wies darauf hin, dass der Kreml auf diese Weise nicht nur die Ukraine angreift, sondern auch die Luftabwehr der NATO-Länder testet und die Reaktion des Bündnisses auf Provokationen überprüft.