Der Präsident der Ukraine hat ein Dekret unterzeichnet, mit dem er den Beschluss des Rates für nationale Sicherheit und Verteidigung (RNSB) vom 5. August in Kraft gesetzt hat, der die Umsetzung umfassender Resilienzpläne in den Regionen des Landes und unmittelbar in Kiew betrifft. Das auf der offiziellen Website des Staatschefs veröffentlichte Dokument tritt mit dem Zeitpunkt seiner Veröffentlichung in Kraft. Die Kontrolle über die Umsetzung des Beschlusses wurde dem Sekretär des Rates für nationale Sicherheit und Verteidigung (RNSB) übertragen. Damit hat die Strategie zur Vorbereitung auf den Winter, die zuvor auf der Ebene von Empfehlungen verblieben war, nun eine normative Verankerung auf der Ebene eines Präsidialdekrets erhalten.

Was das Dekret vorsieht

Ein zentrales Element des Dokuments ist die direkte Warnung vor der persönlichen Verantwortung der Leiter der Militärverwaltungen, der Bürgermeister der Städte und der Leiter der Unternehmen für das Scheitern der Wintervorbereitung oder für unzureichende Leistungskennzahlen. Im Beschluss des RNSB, der nun auf Grundlage des Dekrets gilt, wird insbesondere darauf hingewiesen, dass die Regierung unverzüglich die Resilienzpläne anzupassen hat, damit sie den realistischen Umsetzungsperspektiven vor Beginn der Heizsaison entsprechen. Das bedeutet, dass frühere Pläne, die möglicherweise auf optimistischen Szenarien basierten, unter Berücksichtigung der tatsächlichen Bereitschaft der Infrastruktur überarbeitet werden müssen.

Besonderer Fokus auf der Hauptstadt

Im Beschluss wird Kiew besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Der Stadtverwaltung und den zuständigen Behörden wurde die rechtzeitige Umsetzung aller Maßnahmen vor dem Einsetzen der Kälte aufgetragen. Im Text des Dokuments heißt es ausdrücklich: „Die Aufmerksamkeit des Bürgermeisters von Kiew auf die persönliche Verantwortung für die Vorbereitung und den stabilen Verlauf der Heizsaison 2026/2027 in Kiew lenken.“ Die Formulierung, in der ein konkreter Name und eine konkrete Saison genannt werden, zeigt, dass die Zentralregierung die Vorbereitung der Hauptstadt als prioritären und zugleich am stärksten verwundbaren Bestandteil der nationalen Winterstrategie betrachtet.

Strikte Anforderungen an die lokalen Behörden

Den Organen der lokalen Selbstverwaltung wurden eine Reihe konkreter und messbarer Anforderungen gestellt. So muss in jeder Region ein begründeter Kraftstoffvorrat für Einrichtungen der Lebenssicherung in Höhe von mindestens zwei Wochen aufgebaut werden. Darüber hinaus ist die Autonomie mehrstöckiger Wohngebäude sicherzustellen, indem dafür Eigentümergemeinschaften (OSMD), Wohnbau-Kooperativen und Verwaltungsgesellschaften einbezogen werden. In Mehrfamilienhäusern müssen Systeme einer unabhängigen Reserveversorgung eingerichtet werden, damit kritische Dienste und Bewohner bei möglichen Unterbrechungen der zentralen Stromversorgung funktionieren können.

Widersprüchliche Daten

Hier lohnt es sich, zwei Positionen gegenüberzustellen. Einerseits hat der Bürgermeister von Kiew, Witali Klitschko, vor wenigen Tagen erklärt, dass die Hauptstadt die Hauptarbeiten zur Wintervorbereitung bis zum Beginn der Heizsaison abschließen plane, und nach seinen Angaben seien bereits etwa 50 % der geplanten Maßnahmen umgesetzt. Andererseits deutet der bloße Umstand der Einführung eines Präsidialdekrets mit der Formulierung der „persönlichen Verantwortung“ sowie die Anforderung an die Regierung, die Resilienzpläne „unverzüglich anzupassen“, indirekt darauf hin, dass die Zentralregierung das aktuelle Vorbereitungstempo für nicht ausreichend hält. Anfang August hatten Klitschko und Vertreter der Zentralregierung den Plan zur Sicherung der Resilienz Kiews im Winter besprochen, dessen Umsetzung nach Schätzungen mehr als 20 Milliarden Hrywnia erfordert. Die Diskrepanz zwischen dem behaupteten Fortschritt von 50 % und der Härte der Formulierungen im Dekret kann darauf hindeuten, dass auf Ebene des RNSB und der Regierung weiterhin Besorgnis über die tatsächlichen Zeitpläne und die Finanzierungsversorgung der Schlüsselmaßnahmen besteht.

Kontext der Wintervorbereitung in Kiew

Nach zuvor im Rahmen eines Berichts über die Vorbereitung der Hauptstadt genannten Daten wurden in Kiew bereits Kogenerationsanlagen mit einer Gesamtleistung von 60 MW errichtet, weitere 100 MW befinden sich im Prozess der Inbetriebnahme. Diese Zahlen bestätigen, dass die Arbeit zur Diversifizierung der Energieversorgung und zum Aufbau von Reservekapazitäten läuft, jedoch bleibt die Frage ihrer Ausreichendheit zur Versorgung aller Verbrauchergruppen unter Bedingungen möglicher Kampfhandlungen und extremer Wetterbedingungen offen. Das Dekret des Präsidenten verschiebt die Wintervorbereitung faktisch aus der Kategorie „empfehlender Maßnahmen“ in die Ebene rechtlich bindender Verpflichtungen, deren Verletzung die Leiter persönlich verantworten werden.