Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney, dass Kiew nicht nur technologische, sondern auch finanzielle Unterstützung der Verbündeten in Form einer gemeinsamen Produktion von Abwehrmitteln gegen russische Strahlendrohnen benötige. Nach Angaben des Staatschefs habe die russische Seite begonnen, an Drohnen Strahltriebwerke zu installieren, was sie deutlich schneller und schwerer abzufangen mache. „Ja, wir haben bereits 60 plus Unternehmen, die daran arbeiten, und wir werden diese Frage lösen, aber wir brauchen dafür Zeit“, betonte Selenskyj und fügte hinzu, dass weder Technologien noch Geld für die Produktion von Tausenden Abfangdrohnen ausreichten.

Strahlendrohnen: Wandel des Bedrohungscharakters

Kernthese der Erklärung des Präsidenten war die Feststellung, dass die russische Seite dazu übergegangen ist, unbemannte Luftfahrzeuge mit Strahltriebwerken auszustatten. Dies habe, nach Einschätzung Selenskyjs, die taktischen Eigenschaften der angreifenden Drohnen grundlegend verändert: Ihre Geschwindigkeit sei gestiegen, was das Zeitfenster für Entdeckung und Zerstörung verkleinere. Der Präsident räumte ein, dass die Ukraine derzeit nicht über eine ausreichende Anzahl an Mitteln zur wirksamen Bekämpfung solcher Ziele verfüge; jedoch arbeiteten, so seine Worte, inländische Entwickler bereits an entsprechenden Lösungen. Damit fixiert Kiew offiziell eine neue Eskalationsstufe in der Luft und die Notwendigkeit einer technologischen Antwort.

Gemeinsame Produktion als systemische Antwort

Auf die Frage, wie die Ukraine diesen Mangel genau schließen wolle, setze Selenskyj auf das Modell der gemeinsamen Produktion. „Genau deshalb teilen wir unser Wissen, unsere Technologien, aber auch ihr müsst jeden Tag arbeiten. Deshalb sprechen wir von gemeinsamer Produktion, von Produktionslinien in anderen Ländern“, erklärte der Präsident. Die Logik der Erklärung besagt, dass die Einrichtung von Produktionslinien auf dem Territorium der Verbündeten die Skalierung der Abfangdrohnen-Produktion schneller ermöglichen werde, als dies unter Kriegsbedingungen auf ukrainischem Territorium möglich sei, und die Last zwischen den Partnern verteile.

Export der Erfahrung im Schutz kritischer Infrastruktur

Besonders betonte der Staatschef, dass die Ukraine über einzigartige Erfahrung und Kenntnisse im Schutz kritischer Infrastruktur vor massierten Drohnenangriffen verfüge. Nach seinen Angaben hätten ukrainische Operator-Gruppen bereits Partnern im Nahen Osten während massierter Angriffe geholfen, indem sie eigene Technologien und Erkenntnisse weitergaben. Dieses Argument wird von Kiew verwendet, um zu begründen, dass die ukrainische Erfahrung nicht nur ein Objekt der Hilfe, sondern auch ein Asset sei, das von den Verbündeten im Austausch gegen Produktions- und Finanzmittel nachgefragt werden könne.

Abfangdrohnen und Transformation der Beschaffung

Kontext für die Aussagen des Präsidenten ist die aktive Einführung schneller Abfangdrohnen in das Luftverteidigungssystem. Insbesondere hat das ukrainische Verteidigungsministerium die Zulassung des schnellen Abfangdrohnen Air Baby 350 des Unternehmens Strix Air für den Einsatz in der Luftverteidigung genehmigt; seine Höchstgeschwindigkeit beträgt 350 km/h. Parallel ändert sich im Land das gesamte Beschaffungssystem für unbemannte Luftfahrzeuge für die ukrainischen Streitkräfte: Eine spezielle Waffen-Plattform DOT-Chain Defence ist im Einsatz, die laut Berichten die Lieferungen beschleunigen und ordnen soll. Diese Maßnahmen sollen nach dem Konzept von Kiew einen massenhaften Abschuss sowohl gewöhnlicher als auch von Strahlendrohnen gewährleisten.