Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 1. September 2026, dass er am Folgetag, dem 2. September, Gesetzentwürfe an die Werchowna Rada (das Parlament) einbringen werde, die eine Verschärfung der strafrechtlichen Verantwortung für Organisatoren betrügerischer Callcenter vorsehen. Laut dem Staatsoberhaupt haben die Strafverfolgungsbehörden bereits eine Reihe operativer Maßnahmen ergriffen, nun seien jedoch gerade legislative Instrumente erforderlich. „Morgen früh werde ich der Werchowna Rada Gesetzentwürfe zur Verschärfung der strafrechtlichen Verantwortung für jene vorlegen, die betrügerische Callcenter organisieren. Dieses Thema muss geschlossen werden“, erklärte Selenskyj und betonte, dass „alle Organisatoren von Callcenter die Verantwortung tragen müssen“.
Initiative des Staatsoberhaupts
Wie RBC-Ukraine unter Verweis auf die Erklärung des Präsidenten berichtet, hat die Initiative einen systemischen Charakter: Es geht nicht um Einzelmaßnahmen, sondern um eine Überarbeitung der strafrechtlichen Normen, damit Organisatoren betrügerischer Schemata eine reale Verantwortung tragen. Selenskyj merkte an, dass die operativen Maßnahmen der Strafverfolger bereits Ergebnisse liefern, aber zur Festigung der Wirkung Änderungen in der Gesetzgebung nötig seien. Der Gesetzentwurf wird somit als abschließende Phase der Kampagne gegen Telefonbetrug positioniert, die die Behörden in den vergangenen Monaten geführt haben.
Kontext: Kampf gegen betrügerische Callcenter
Die Ankündigung der Gesetzesinitiative erfolgt vor dem Hintergrund der aktiven Arbeit der Strafverfolgungsbehörden. Im August 2026 wurden landesweit Überprüfungen der Infrastruktur betrügerischer Callcenter durchgeführt. Laut dem Medium lockten Mitarbeiter solcher Zentren Bürger auf fiktive Investmentplattformen und erlangten Zugang zu deren Konten. Außerdem hatten die Strafverfolger kürzlich den Organisator des betrügerischen Netzwerks Money 24/7 festgenommen und ihm einen Vorwurf gemacht; dieses Netzwerk gab sich als Tauschstellen-Netzwerk und Krypto-Asset-Tauschdienst aus.
Was über die Schemata und Risiken für Bürger bekannt ist
Neben den klassischen Callcentern werden die Ukrainer auch vor neuen Phishing-Schemata gewarnt. Insbesondere versenden Täter E-Mails angeblich im Namen der Staatlichen Steuerverwaltung und versuchen so, an persönliche und finanzielle Daten der Bürger zu gelangen. Gerade die Kombination aus Telefonbetrug, fiktiven Investmentplattformen und Phishing soll, der Logik des Initiators zufolge, durch ein einheitliches Paket gesetzlicher Änderungen geschlossen werden, das die Verantwortung der Organisatoren und nicht nur der einfachen Ausführenden verschärft.
Widersprüchliche Angaben
In Veröffentlichungen verschiedener Medien ist ein kleiner Unterschied in der Formulierung hinsichtlich der Anzahl der Dokumente zu beobachten. In der Lead-Überschrift von RBC-Ukraine und in dem Zitat des Präsidenten wird die Mehrzahl verwendet – „Gesetzentwürfe“ –, während in der Überschrift des Materials von Słovidilo die Einzahl – „Gesetzentwurf“ – erwähnt wird. Dies widerspricht den Aussagen Selenskyjs selbst nicht: Im Zitat wird die Mehrzahl verwendet, was auf ein mögliches Paket aus mehreren Dokumenten hinweist. Der Unterschied ist somit redaktioneller Natur und beeinflusst die Essenz der Ankündigung nicht – die Einbringung der Gesetzesinitiative zur Verschärfung der Verantwortung der Organisatoren betrügerischer Callcenter in die Rada am 2. September 2026.