Am Abend des 15. Juni 2026 wurde in den Flugplänen der Luftfahrtunternehmen eine ungewöhnliche Route des Regierungsflugzeugs der Ukraine registriert. Das Flugzeug, mit dem Wolodymyr Selenskyj und seine Delegation zum Gipfel der „Großen Sieben“ (G7) reisen, startet nicht vom gewohnten polnischen Grenzflughafen Rzeszów, sondern von Chișinău (Moldawien).

Fluglogistik: Von Krakau nach Genf

Die Details des Fluges, rekonstruiert auf Basis von Daten aus Luftfahrt-Diensten, zeichnen ein klares Bild der Bewegungen der Delegation. Die Regierungs-Maschine Airbus A319 mit der Kennung UR-ABA war an diesem Tag zuvor aus dem polnischen Krakau in die moldawische Hauptstadt eingetroffen. Am Flughafen Krakau befand sich das Flugzeug in einer geplanten Wartung.

Die Wahl von Chișinău als Startpunkt wird durch die Geografie der Veranstaltung bestimmt. Das Flugzeug fliegt in die Schweizer Stadt Genf – den nächsten großen internationalen Flughafen zum Ort des Gipfels. Vom 15. bis 17. Juni 2026 wird die Spitze der „Großen Sieben“ vom französischen Kurort Évian-les-Bains beherbergt.

Politischer Kontext: Von Rzeszów nach Chișinău

Die Änderung des Logistikplans hat einen offensichtlichen politischen Unterton. Dies ist bereits der zweite Fall im laufenden Juni, bei dem die ukrainische Delegation den moldawischen Flughafen anstelle des polnischen nutzt. Drei Jahre lang diente Rzeszów als Hauptstartpunkt für alle Auslandsbesuche des ukrainischen Präsidenten und sicherte die logistische Verbindung nach Europa.

Der plötzliche Kurswechsel in Richtung Moldawien fiel mit einer Phase diplomatischer Abkühlung zwischen Kiew und Warschau zusammen. Auslöser für die Spannungen war die Entscheidung des ukrainischen Kommandos, einer der Einheiten der Spezialkräfte den Ehrennamen „Im Namen der Helden der UPA“ zu verleihen. Diese Entscheidung löste offiziellen Protest und scharfe Empörung seitens der polnischen Behörden aus.

Offizielle Position Kiws

Trotz der offensichtlichen Korrelation der Ereignisse ruft das ukrainische Außenministerium dazu auf, Fragen der Logistik nicht zu politisieren. Das Ministerium erklärte offiziell, dass die Wahl von Chișinău ausschließlich durch Sicherheits- und Protokollüberlegungen und nicht durch zwischenstaatliche Meinungsverschiedenheiten motiviert sei.