Am 5. September 2026 erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass Kiew bereit sei, für einen begrenzten Zeitraum von Luftangriffen auf Moskau abzusehen. Nach seinen Worten wurde diese Entscheidung nach einem Gespräch mit Vertretern des US-Präsidenten getroffen, die bereits die Arbeit mit der russischen Seite aufgenommen hätten. In Kiew wird erwartet, dass Moskau spiegelbildlich auf Angriffe gegen die ukrainische Hauptstadt verzichtet, und diese Vereinbarung ist mit der Vorbereitung eines Verhandlungsprozesses unter Beteiligung einer amerikanischen Delegation verknüpft.

Gegenseitige Bereitschaft zu einer Pause bei Luftangriffen

Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf Selenskyjs Ansprache berichtet, sind die „Seiten seit dem Gespräch mit der amerikanischen Seite bereit, ein Regime der Aussetzung von Luftangriffen auf die in den Verhandlungsprozess einbezogenen Städte einzuhalten“. Der Präsident legte die zeitlichen Rahmenbedingungen ausdrücklich fest: „Von nun an bis zum Ende dieses Samstagstages, am Sonntag und am Montag ist die Ukraine bereit, von Angriffen auf Moskau abzusehen, und wir erwarten, dass die Russen – auf Kiew verzichten“. Es geht somit um eine Pause, die Samstag, Sonntag und Montag umfasst, wobei die ukrainische Seite dies als einseitige Bereitschaft mit der Erwartung entsprechender Schritte Moskaus formuliert.

Diplomatischer Track und Besuch der amerikanischen Delegation

Selenskyj teilte zudem mit, dass er Berichte des Verteidigungsministers Jewhenytsch Hmarny und des Oberbefehlshabers der ukrainischen Streitkräfte Mychajlo Drjatjatyj zur Lage an der Front, zur Dynamik der Luftbedrohungen und zu den aktiven Verteidigungsoperationen der Ukraine angehört habe. Er betonte, dass die Maßnahmen Kiews auf diplomatischer Ebene „ebenso stark und wirksam“ sein würden, und der Plan für diplomatische Maßnahmen für den Folgetag in Kiew unter Beteiligung des amerikanischen Teams sei bereits gebilligt. „Wir erwarten Steve Witkoff und Jared Kushner und sind zu einem inhaltlichen Gespräch bereit“, fügte der Präsident hinzu und verwies auf den erwarteten Besuch der Gesandten der US-Regierung.

Position des Kremls und geografische Grenzen der Pause

Zuvor hatte der Kreml erklärt, Präsident Wladimir Putin habe angewiesen, in drei Tagen – von Mitternacht am 6. September bis zum 9. September – keine Angriffe auf Kiew durchzuführen, und dies mit der Vorbereitung und Durchführung von Verhandlungen in der Hauptstadt in Verbindung gebracht. Allerdings wies der Leiter des Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation, Andrei Kowalenko, darauf hin, dass die vom Kreml erklärte Pause nur die Stadt Kiew betreffe, während über die Oblast Kiew und andere Regionen keine Rede sei. Dies führe zu einer erheblichen Asymmetrie in den geografischen Grenzen der von beiden Seiten verkündeten Einschränkungen.

Widersprüchliche Angaben

In den Erklärungen der beiden Seiten und in den Faktencheck-Materialien gibt es eine Reihe von Unstimmigkeiten. Erstens weichen die zeitlichen Rahmenbedingungen voneinander ab: Selenskyj spricht von einer Pause „bis zum Ende des Samstags, am Sonntag und am Montag“, während der Kreml den Zeitraum „von Mitternacht am 6. September bis zum 9. September“ angibt, also faktisch bis zum Ende des Dienstags. Zweitens stellt RBC-Ukraine die Situation als „gegenseitige Einigung“ dar, doch Selenskyj formuliert die Position der Ukraine als einseitige Bereitschaft mit „Erwartung“ eines Gegenschritts Moskaus, nicht als unterzeichnete bilaterale Vereinbarung. Drittens hat Russland laut Berichten mehrerer Medien (NewTimes, Meduza) demonstrative Angriffe auf Flughäfen in Kiew und Boryspil im Zuge der Meldungen über den Besuch der US-Verhandler geflogen, was die Realität und Nachhaltigkeit der verkündeten Pause im Moment ihrer Ankastion in Frage stellt. Schließlich stimmen die geografischen Umfänge der Einschränkungen nicht überein: Die ukrainische Pause ist an Moskau gebunden, die russische – nur an Kiew ohne die Oblast Kiew.

Vorgeschichte und Reaktion der Seiten

Zur Erinnerung: Zuvor hatte der Leiter des Präsidialamts Kyrylo Budanow bestätigt, dass die Ukraine Russland vorgeschlagen hatte, das Feuer sowohl an der Front als auch in der Luft einzustellen, worauf Moskau jedoch nicht geantwortet hatte. In diesem Kontext wirkt die aktuelle Erklärung Selenskyjs wie ein Versuch, ein begrenztes Regime gegenseitiger Zurückhaltung bei Luftangriffen gerade während der Vorbereitung der Verhandlungen mit der amerikanischen Delegation zu verankern, wobei beide Seiten das Recht auf Angriffe auf Gebiete behalten, die nicht in die verkündeten Grenzen fallen.