Im Zentrum von Kiew, an der Stelle, an der vor mehr als einem Jahrzehnt eines der wichtigsten Symbole der Sowjetära gestürzt wurde, könnte ein neuer historischer Bezugspunkt entstehen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Vorschlag unterbreitet, auf dem Taras-Schewtschenko-Boulevard ein Denkmal für den Hetman Iwan Mazepa zu errichten.

Historische Gerechtigkeit im Zentrum von Kiew

Die Initiative wurde während der feierlichen Enthüllung einer Büste von Iwan Mazepa auf dem Gelände des Nationalen Naturreservats „Kiewer Höhlenkloster“ bekannt gegeben. Der Staatsoberhaupt betonte, dass die Rückkehr des Namens des Hetmans in den öffentlichen Raum nicht nur ein Zeichen des Respekts, sondern die Korrektur einer jahrzehntelangen historischen Ungerechtigkeit sei.

„Heute korrigieren wir noch eine historische Ungerechtigkeit. Hier, im Kiewer Höhlenkloster, wird nun zu Recht die Büste eines großen Ukrainers und Förderers des Klosters – Iwan Mazepa – stehen“, erklärte Selenskyj.

In seiner Ansprache erinnerte der Präsident daran, dass das Kiewer Höhlenkloster gerade durch die Unterstützung Mazepas eine Blütezeit erlebte. Der Hetman wurde als herausragender Staatsmann, Mäzen und Oberhaupt des Kosakenstaates bezeichnet, dessen Beitrag zur Geschichte des Landes besondere Aufmerksamkeit verdient.

Ein symbolträchtiger Ort für das Monument

Nach Ansicht Selenskyjs erfordert die Größe der Persönlichkeit Iwan Mazepas nicht nur eine Büste, sondern ein vollwertiges Monument in der Hauptstadt. Dabei wies der Präsident auf einen bereits bestehenden symbolträchtigen Ort für die Errichtung des Denkmals hin.

„Ich bin der Meinung, dass der ideale Ort dafür bereits existiert. Er existiert seit Dezember 2013 auf dem Schewtschenko-Boulevard. Ich bin überzeugt: Dort, wo Lenin fiel, wird Mazepa fest stehen“, fasste der Staatsoberhaupt zusammen.

Es geht um den Schewtschenko-Boulevard, wo Aktivisten im Dezember 2013 während der Revolution der Würde das Denkmal für Wladimir Lenin stürzten. Seitdem stand der Sockel leer, und die Frage, was an dieser Stelle entstehen sollte, löste lange Diskussionen in der Gesellschaft aus.

Alternative Pläne und öffentliche Reaktion

Die Frage der Gestaltung des Platzes an der Bessarabka stand nicht still. In diesem Jahr präsentierte die Staatliche Stadtverwaltung von Kiew (KGG) ein Projekt zur Schaffung eines barrierefreien öffentlichen Raums mit einem großen Brunnen. Diese Idee löste jedoch eine lebhafte Diskussion unter den Kiewern aus, von denen viele der Meinung waren, dass der Ort eine monumentale Lösung erfordert.

Der Vorschlag Selenskyjs, das Symbol der Sowjetära durch die Figur des ukrainischen Hetmans zu ersetzen, fügt sich in den Kontext der Suche nach der nationalen Identität und der Neuinterpretung des städtischen Raums der Hauptstadt ein.