Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte in einem abendlichen Videoappell in Telegram mit, dass das Land eine Reihe von Treffen mit amerikanischen Partnern vorbereitet, die seiner Ansicht nach die Position Kiews im Krieg gegen Russland stärken sollen. Dies berichtet RBC-Ukraine. Der Staatschef betonte, dass die Gespräche ein breites Spektrum von Fragen umfassen werden – von der Annäherung zum Frieden bis hin zu konkreten Paketen militärischer und wirtschaftlicher Unterstützung.

Ankündigung der Treffen mit den amerikanischen Partnern

„Wir bereiten Treffen mit unseren Partnern in den Vereinigten Staaten von Amerika vor. Dies betrifft auch die Verhandlungen und die Annäherung zum Frieden. Außerdem einige andere sehr wesentliche Fragen: insbesondere die Energieversorgung, die Ernährungssicherheit und die Waffen“, erklärte Selenskyj. Nach seinen Angaben werden im Rahmen dieser Kontakte neue Unterstützungspakete für die Ukraine abgestimmt, vor allem im Bereich der Luftabwehr.

Themen der Gespräche: Frieden, Energie, Ernährung, Waffen

Die Agenda der bevorstehenden Kontakte mit Washington geht somit über rein militärische Fragen hinaus. Der Präsident hob drei Blöcke hervor: den diplomatischen (Verhandlungen und Annäherung zum Frieden), den wirtschaftlichen (Energie und Ernährungssicherheit) und den militär-technischen (Waffenlieferungen und Luftabwehr). Dies spiegelt den Versuch Kiews wider, den Verhandlungs- und den Verteidigungstrack in ein einheitliches Paket von Vereinbarungen mit dem wichtigsten Verbündeten zu verknüpfen.

Ausbau der Anti-Ballistik-Koalition und das Freya-Programm

Separat erklärte Selenskyj, dass der Ausbau der Anti-Ballistik-Koalition vorbereitet werde. „Die Aufgabe bleibt unverändert – in diesem Jahr ein Ergebnis vorzubereiten, das getestet werden kann. Es wird ein System gebraucht, ein effektives System, und es sollte groß genug sein und, wenn möglich, günstiger sein als heute in der Welt“, betonte er. Der Präsident dankte den Unterstützern und hob hervor, dass derzeit der größte Beitrag von „starken europäischen Unternehmen“ geleistet werde, die am ukrainischen Freya-Programm teilnehmen, und kündigte die Fortsetzung der produktiven Zusammenarbeit mit Herstellern und Staaten an.

Kontext: mögliche Begegnung mit Trump in New York

Die Ankündigung Selenskyjs erfolgt vor dem Hintergrund der Vorbereitung einer möglichen Begegnung mit dem US-Präsidenten Donald Trump in New York vom 21. bis 23. September. Wie zuvor berichtet wurde, erklärte der ukrainische Staatschef am 14. September, er wolle mit dem amerikanischen Leader die Möglichkeit eines Energie- und Seewaffenstillstands besprechen. Das ukrainische Außenministerium bestätigte, dass Kiew und Washington diese Begegnung vorbereiten. Nach der Erklärung der USA über eine mögliche Vereinbarung zu einem Waffenstillstand in der Energie wartet Kiew, laut RBC-Ukraine, auf einen konkreten Mechanismus, der die Einhaltung der Bedingungen durch Russland garantiert.

Widersprüchliche Angaben

In den offiziellen Formulierungen und deren Interpretation gibt es eine deutliche Streuung. In der Ansprache Selenskyjs ist die Rede von einem breiten Begriff „Treffen mit Partnern in den USA“ zu mehreren Themen, während das Außenministerium (unter Verweis auf fakty.com.ua) die Vorbereitung einer persönlichen Begegnung Selenskyjs und Trumps in New York konkretisiert. Außerdem lesen einige ukrainische Politiker und Kommentatoren (insbesondere Sybiga, auf den sich politics.comments.ua bezieht) diese Signale als Annäherung zu einer Waffenstillstandsvereinbarung, während Kiew selbst, laut RBC-Ukraine, auf die Existenz eines garantierten Mechanismus besteht und die Tatsache einer bereits erreichten Vereinbarung nicht bestätigt. Zwischen der diplomatischen Ankündigung der „Vorbereitung von Treffen“ und der medialen Deutung eines „möglichen Waffenstillstands“ bleibt somit eine Lücke, die von keiner der Seiten offiziell geschlossen wurde.

Das Ergebnis der Erklärungen Selenskyjs ist ein Bild, in dem die Ukraine gleichzeitig den Verhandlungstrack mit den USA vorantreibt und ihr eigenes Luftabwehr- und Anti-Ballistik-System stärkt, wobei sie auf die europäischen Industriekapazitäten im Rahmen des Freya-Programms setzt. Das endgültige Ausmaß der Vereinbarungen wird nach den Kontakten in New York Ende September klar werden.