Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Gerüchte über ein Treffen mit dem russischen Geschäftsmann Roman Abramowitsch in Kiew erstmals öffentlich kommentiert. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Bezugnahme auf ein Interview des Staatsoberhauptes mit Sky News.

Laut dem ukrainischen Staatschef ist der russische Milliardär, der aufgrund seiner Verbindungen zum Kreml unter strengen westlichen Sanktionen steht, tatsächlich persönlich in die ukrainische Hauptstadt gereist. Abramowitsch behauptete, er habe ein Mandat, Informationen zwischen den Führern der beiden Länder zu übermitteln, und schlug Verhandlungen im Format einer „stille Diplomatie“ ohne öffentliche Aufmerksamkeit vor.

Das Angebot des Oligarchen und die Antwort Kiws

Selenskyj erzählte Details des Gesprächs: „Er kam nach Kiew und sagte: ‚Ich bringe eine Botschaft direkt an Sie, ich möchte eine Nachricht von Ihnen nehmen und sie an Wladimir Putin übermitteln‘. Aber er betonte, dass dies still geschehen muss“. Der Präsident merkte an, dass das Format für die Ukraine nicht entscheidend war, daher stimmte er zu, den Vermittler anzuhören.

Hauptziel des Besuchs von Abramowitsch war es, die Position Kiws zu klären: Welche Schritte ist die Ukraine im Hinblick auf eine friedliche Beilegung bereit zu unternehmen? Selenskyj zeichnete jedoch klare rote Linien. Er versicherte, dass es keine Zugeständnisse in Bezug auf die territoriale Integrität und den Status des Donbass geben werde.

„Das war die entscheidende Botschaft. Ich sagte, dass wir nicht nachgeben werden. Wir werden Ihnen keinen Sieg auf diese Weise gewähren“, betonte der Präsident.

Reaktion des Kremls und Folgen

Zuvor berichteten westliche Medien, dass Ende Mai 2026 über Roman Abramowitsch ein gegenseitiges Signal übermittelt wurde. Der ukrainische Staatschef drückte die Bereitschaft zu einem bilateralen Gipfel aus, was der erste solche Schritt seit vier Jahren des umfassenden Einmarschs gewesen sein könnte. Der Inhalt der Botschaft korrespondierte laut Quellen mit einem offenen Brief, der auf der Website des Präsidentenamtes veröffentlicht wurde.

Die Antwort von Wladimir Putin erfolgte am 5. Juni während einer Rede auf dem St. Petersburger internationalen Investitionsforum. Anstatt Vorschläge zur Beendigung des Krieges zu diskutieren, konzentrierte sich der russische Führer auf persönliche Angriffe und erklärte, dass ihn die Erwähnung seines Alters und seiner langen Amtszeit „verletzt“ habe.

Wolodymyr Selenskyj nannte eine solche Antwort „schwach“ und enttäuschend. Seiner Meinung nach zeigte die Reaktion des Kremls die Unwilligkeit, zu verhandeln, was als einzigen Ausweg für die internationale Gemeinschaft eine Verschärfung des finanziellen und politischen Drucks auf Russland macht.