Während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Generalsekretär der NATO, Mark Rutte, in Kiew äußerte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine überraschende Position bezüglich der zukünftigen Mitgliedschaft seines Landes im Bündnis. Der Staatsoberhaupt erklärte, dass die Integration der Ukraine in die Struktur des Nordatlantikpakts nicht nur den Interessen Kiews und der Partnerstaaten, sondern auch denen Russlands selbst diene.

Gegenseitige Notwendigkeit

Selenskyj betonte, dass die meisten NATO-Mitgliedstaaten die fundamentale gegenseitige Abhängigkeit bereits erkannt haben. Nach seinen Worten ist die ukrainische Seite dem Bündnis nicht weniger notwendig, als das Bündnis der Ukraine für die Gewährleistung ihrer Sicherheit dient. Der Präsident äußerte die Überzeugung, dass dieses Gleichgewicht der Kräfte und Interessen den Schlüsselfiguren auf der Weltbühne klar ist.

Ein Paradoxon für Moskau

Besonderes Augenmerk legte der ukrainische Staatschef in seiner Rede auf die geopolitischen Konsequenzen für den Nachbarn im Osten. Selenskyj vertrat die These, dass eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine auch für Russland von Vorteil wäre. Die Argumentation des Präsidenten basiert auf der langfristigen Perspektive: Er warnte davor, dass es der russischen Führung in der Zukunft „schmerzhaft' sein könnte, wenn die Ukraine außerhalb des Bündnisses bleibt.

Bewertung durch Partner

Die Frage des Beitritts bleibt ein zentraler Punkt in den Beziehungen Kiews zum Westen, da die ukrainischen Behörden dies als einzige wirksame Garantie für die langfristige Sicherheit nach Ende des Krieges betrachten. Die Position Kiews wird auch von einigen Verbündeten unterstützt. So hatte der schwedische Verteidigungsminister Pål Jonson zuvor bereits angemerkt, dass die Ukraine die NATO erheblich stärken könnte.

Nach Ansicht des schwedischen Ministers könnten die Kampferfahrung der ukrainischen Streitkräfte, Innovationen im militärischen Bereich und der starke Rüstungssektor des Landes zu einem wichtigen Asset für die Sicherheit ganz Europas werden.