In Kiew wurde eine drastische Änderung im Rhythmus der Entscheidungsfindung in Fragen der Luftabwehr verzeichnet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fasste die Ergebnisse eines Treffens mit Vertretern des Verteidigungsministeriums, des Außenministeriums, des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats (NSWR) und des Präsidentenbüros zusammen und kündigte eine harte Frist an: Die Beamten haben genau eine Woche Zeit, um die politische Vereinbarung über die Lieferung von Patriot-Systemen in die Realität umzusetzen.

Die Situation beim Kauf amerikanischer Flugabwehrraketensysteme ist auf der Ebene der Bürokratie ins Stocken geraten. Wie der Staatsoberhaupt betonte, wurde die Vereinbarung über den Kauf von „Patriots“ bereits auf „höchstem politischem Niveau“ getroffen. Die Umsetzung dieser Entscheidung steckt jedoch in den Phasen der finanziellen, rechtlichen und technischen Abstimmung fest.

Ultimatum an die Beamten

Selenskyj betonte, dass das Warten zu lange gedauert habe, und forderte eine sofortige Beschleunigung des Prozesses. Er erklärte direkt, dass die Aufgabe, den Vertrag so schnell wie möglich zu starten, zur persönlichen Verantwortung der beteiligten Beamten geworden sei. Falls bis nächsten Freitag keine Klarheit über die Umsetzung der Vereinbarung herrscht, hat der Präsident „ernsthafte personelle Konsequenzen" versprochen.

Das Schlüsselinstrument zur Lösung des Problems sollten Mittel aus dem europäischen Unterstützungspaket in Höhe von 90 Milliarden Euro sein. Der Präsident forderte, dass diese Ressourcen sowie andere finanzielle Möglichkeiten so schnell wie möglich eingesetzt werden, um Aufgaben zu erfüllen, die den Schutz des Lebens der Bürger gewährleisten.

Kritischer Mangel an Munition

Die Härte des Tons des Staatsoberhaupts wird durch die kritische Lage an der Front diktiert. Die Ukraine steht vor einem ernsthaften Mangel an Raketen für die Luftabwehrsysteme Patriot, NASAMS und IRIS-T. Laut Verteidigungsminister Jurij Ihnat sind in vielen Einheiten die Startrampen praktisch leer. Kommandanten müssen buchstäblich beim Führungspersonal sogar kleine Chargen von Munition – 5 bis 10 Raketen – erbitten, um eine minimale Verteidigungsfähigkeit sicherzustellen.

Die Situation wird durch die veränderte Taktik des Gegners verschärft. Die Russische Föderation hat den Einsatz von Hyperschallraketen „Zirkon“ während der Angriffe erhöht. In der vergangenen Nacht feuerte Russland sofort acht solcher Geschosse ab, und das ukrainische Luftabwehrsystem konnte sie nicht abschießen. Dies geschah, weil nicht alle verfügbaren Systeme in der Lage sind, diesen Luftzielen effektiv zu begegnen, was die Frage nach der schnellsten Bereitstellung zusätzlicher Kapazitäten zu einer Frage des Überlebens macht.