Am Mittwoch, dem 8. Juli, fand auf dem NATO-Gipfel in Ankara das erste Treffen der Präsidenten von Ukraine und Polen, Wolodymyr Selenskyj und Karol Nawrocki, seit dem resonanten Vorfall mit der Entziehung des Ordens des Weißen Adlers vom ukrainischen Führer statt. Das Treffen fand in Anwesenheit des Teams des ukrainischen Präsidenten statt und dauerte mehr als eine Stunde.
Tiefgehende Gespräche über eine gemeinsame Bedrohung
Laut dem Berater des Präsidenten, Dmytro Litywin, war das Gespräch zwischen den Führern der beiden Länder „ziemlich tiefgründig und inhaltlich reichhaltig“. Selenskyj betonte, dass alle notwendigen Fragen diskutiert wurden, und hob die Bedeutung der Aufrechterhaltung des gegenseitigen Verständnisses und der Einheitlichkeit der Aktionen angesichts der gemeinsamen Bedrohung durch Russland hervor.
„Unsere Bedrohung ist eine und gemeinsam: Es ist Russland. Und es ist sehr wichtig, das gegenseitige Verständnis, die Unterstützung und das gemeinsame Handeln aufrechtzuerhalten“, erklärte der ukrainische Präsident nach dem Treffen.
Historische Streitigkeiten und politische Realität
Karol Nawrocki bestätigte seinerseits die Notwendigkeit der Fortsetzung des Dialogs zwischen Warschau und Kiew, trotz historischer Differenzen. Gleichzeitig betonte er erneut, dass Polen und ganz Europa keine Ehrung von Kämpfern der UPA dulden können – einer Organisation, die im polnischen historischen Gedächtnis mit ethnischen Säuberungen und Kriegsverbrechen in Verbindung gebracht wird.
„Polen und Ukraine müssen den Dialog trotz historischer Streitigkeiten aufrechterhalten, da beide Länder einen gemeinsamen Feind haben – Russland“, sagte Nawrocki und fügte hinzu, dass seine Position zu historischen Fragen unverändert bleibt.
Der Orden-Skandal und seine Folgen
Das Treffen in Ankara war das erste seit dem 19. Juni, als Nawrocki Selenskyj des Ordens des Weißen Adlers, der höchsten staatlichen Auszeichnung Polens, beraubt hatte. Die Entscheidung wurde getroffen, nachdem einer der ukrainischen Einheiten ein Name zu Ehren von Helden der UPA verliehen worden war, was in Warschau Empörung ausgelöst hatte.
Das Büro des polnischen Präsidenten kritisierte auch die Initiative Kiws zur Schaffung eines Nationalen Pantheons und nannte den entsprechenden Gesetzentwurf „eskaliierend“. Der polnische Verteidigungsminister, Władysław Kosiniak-Kamysz, warnte davor, dass Warschau den Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union nicht unterstützen werde, wenn die ukrainische Regierung weiterhin umstrittene historische Figuren ehrt.
Der Dialog geht weiter
Trotz der Spannungen einigten sich beide Führer darauf, den Dialog fortzusetzen. Selenskyj betonte, dass Ukraine und Polen nur starke Beziehungen benötigen, und Nawrocki drückte seine Bereitschaft zu einer konstruktiven Zusammenarbeit angesichts der gemeinsamen geopolitischen Bedrohung aus.