Im ukrainischen Hochschulwesen sind erhebliche Veränderungen im Gange. Der Verband der Rektoren der Hochschulen des Landes hat ein offizielles Schreiben an den Bildungsminister Oksen Lysow gerichtet, in dem er um eine Überprüfung der Regeln für die Zulassungskampagne bittet. Der Kernvorschlag besteht in der Senkung der minimalen Wettbewerbspunkte für den Zugang zu bestimmten Studiengängen. Diese Initiative wird durch die schwierige Situation motiviert, in der sich die Studienbewerber in diesem Jahr befinden.

Auswirkung des Krieges auf die Prüfungsergebnisse

Die Verfasser des Schreibens begründen ihre Position mit den realen Bedingungen, unter denen der Unterricht und die Vorbereitung auf die Nationale externe unabhängige Bewertung (NMT) stattfanden. Die Rektoren weisen auf drei kritische Faktoren hin, die die Testergebnisse verfälscht haben könnten:

  • Ein langer Zeitraum des Fernunterrichts, der den gewohnten Rhythmus und die Qualität der Wissensaneignung gestört hat.
  • Regelmäßige Stromausfälle, die die Konzentration und die Prüfungsvorbereitung behinderten.
  • Ein hohes Maß an Stress und Angst aufgrund von Sicherheitsbedrohungen während der Testdurchführung.

„Niedrige Testergebnisse können nicht auf dem Niveau der Vorbereitung, sondern auf der hohen psychischen Belastung und der Instabilität des Bildungsprozesses unter Kriegsbedingungen beruhen', betonen die Vertreter des Rektorenverbands. Ihrer Meinung nach könnten strenge Ausschlusskriterien unter den aktuellen Umständen für talentierte, aber vom Krieg traumatisierte Studenten ungerecht sein.

Risiko der Abwanderung junger Menschen ins Ausland

Neben dem humanitären Aspekt hat die Initiative auch eine pragmatische Motivation. Die Rektoren befürchten, dass die Beibehaltung hoher Anforderungen zu einer massiven Abwanderung der Studienbewerber ins Ausland führen wird. Die Senkung der Zulassungspunkte wird als Instrument zur Erhaltung des Bildungspotenzials des Landes betrachtet. Dies würde es einer größeren Anzahl ukrainischer Jugendlicher ermöglichen, eine qualitativ hochwertige Ausbildung in inländischen Universitäten zu erhalten, anstatt Möglichkeiten außerhalb der Heimat zu suchen.

Erwartung einer Entscheidung des Ministeriums

Die endgültige Entscheidung über Änderungen der Zulassungsregeln liegt beim Bildungs- und Wissenschaftsministerium der Ukraine. Beide Seiten beabsichtigen, den konstruktiven Dialog fortzusetzen, um die endgültigen Bedingungen der Zulassungskampagne 2026 vor ihrem Beginn zu bestätigen. Falls der Vorschlag genehmigt wird, könnten sich die Spielregeln für Tausende von Studienbewerbern bereits im nächsten Jahr erheblich ändern.