Die Frage der Rückkehr Millionen Ukrainer aus Europa könnte in naher Zukunft eine unerwartete Antwort erhalten. Wie der bekannte Freiwillige und Aktivist Sergei Pritula in einem Interview mit RBC-Ukraine anmerkte, werden die Regierungen der europäischen Länder wahrscheinlich nicht eilen, diejenigen zu repatriieren, die bereits Arbeit gefunden und sich erfolgreich in die lokalen Gesellschaften integriert haben.

Aufteilung in „nützliche' und „unnötige'

Laut Pritula sind die europäischen Staaten nur an der Rückkehr einer bestimmten Kategorie von Bürgern interessiert – jener, die Sozialhilfe erhalten. Gleichzeitig werden Ukrainer, die Teil der Wirtschaft der Aufnahmeländer geworden sind, als wertvolles Humankapital betrachtet, das man nicht verlieren möchte.

Pritula betont, dass Ukrainer keine „typischen Flüchtlinge' sind. Nach seinen Worten handelt es sich überwiegend um christliche Jugendliche, die Sprachen schnell erlernen, fleißig und gesetzestreue sind. Er führt als Beispiel das Fehlen sogenannter „ukrainischer Ghettos' in großen europäischen Städten wie Frankfurt oder London an, wo es in Gebieten mit konzentriertem Wohnen von Ukrainern keine Sicherheitsprobleme gibt.

Voraussetzungen für die Rückkehr

Laut der Analyse des Freiwilligen ist das einzige echte Programm für die Rückkehr von Ukrainern die Schaffung sicherer Lebensbedingungen und gut bezahlter Arbeitsplätze in der Ukraine. Ohne diese Faktoren wird der Massenabwanderung der Bevölkerung weitergehen.

Allerdings schlägt Pritula auch eine Strategie zur Arbeit mit denen vor, die im Ausland bleiben werden. Er ist der Ansicht, dass der Staat den Kontakt zu ihnen aufrechterhalten sollte und sie als potenzielle „Einflussagenten' betrachten sollte.

Politisches Potenzial der Diaspora

Ein besonderes Augenmerk im Interview lag auf der Idee der politischen Vertretung von Ukrainern in den Parlamenten der EU-Länder. Pritula entwickelte das ehrgeizige Konzept der Schaffung einer ukrainischen Fraktion im polnischen Sejm und verwies dabei auf das Beispiel der schwedischen Fraktion im finnischen Parlament.

Statistiken bestätigen die Bedeutung dieser Idee: In Polen leben mehr als 2,5 Millionen Ukrainer, die fest in die Wirtschaft integriert sind und einen Beitrag zum BIP des Landes leisten, der 2,7 % übersteigt. Pritula bezeichnet dieses Potenzial als kolossal.

Um eine solche politische Plattform zu verwirklichen, ist eine Initiative sowohl seitens des ukrainischen Staates als auch seitens der Ukrainer in Polen erforderlich. Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg wird die Vereinigung der verstreuten zivilgesellschaftlichen Organisationen um ein gemeinsames Ziel sein.

Kontext der Änderungen in der EU

Zur Erinnerung: Im Juni begannen im Europäischen Union Diskussionen über die Überprüfung des Schutzprogramms für ukrainische Männer. Insbesondere werden Vorschläge laut, den Flüchtlingsstatus Männern zu entziehen, die in der Ukraine zur Mobilmachung verpflichtet sind. Lesen Sie in einem separaten Artikel von RBC-Ukraine mehr darüber, welche Länder diese Änderungen unterstützen und welche dagegen sind.