Die Suche nach außerirdischer Intelligenz könnte durch eine Überarbeitung der Beobachtungsstrategien einen starken Schub erhalten. Wissenschaftler des SETI-Projekts (Search for Extraterrestrial Intelligence) sind zu dem Schluss gekommen, dass Signale außerirdischer Zivilisationen in Radiobereichen verborgen sein könnten, die seit Jahrzehnten praktisch unbeachtet blieben.
Die Analyse von Archivdaten zeigte, dass moderne Teleskope bereits Millionen von Sternen in ihren Strahlengang aufgenommen haben, von denen die Astronomen nichts ahnten. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Bezugnahme auf eine Studie des SETI-Instituts, die im Journal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society veröffentlicht wurde.
Warum suchten wir am falschen Ort?
Lange Zeit konzentrierte sich die Suche nach außerirdischen Signalen auf einen engen Bereich von Radiobereichen. Wissenschaftler hielten diesen Bereich für den "idealen Ort für interstellare Anrufe", da hier die Emissionslinien von Wassermolekülen registriert werden. Die Logik war einfach: Jede entwickelte Zivilisation sollte die fundamentale Bedeutung von Wasser verstehen und diese Frequenzen für die Kommunikation wählen.
Ein neues Forschungsergebnis beweist jedoch, dass hochfrequente Radiowellen einen völlig anderen Weg zur Suche nach technologischen Signalen eröffnen können. Die Astronomin vom University of Manchester, Dr. Louise Mason, führte die erste SETI-Übersichtsstudie mit Hilfe des Radioteleskop-Systems ALMA in Chile durch.
Ziel war die Entdeckung von schmalbandigen Radiosignalen – Technosignaturen, die auf künstliche Geräte hinweisen und nicht auf natürliche kosmische Prozesse.
"Seit Jahrzehnten konzentrierte sich die SETI-Suche auf einen relativ kleinen Teil des Radiospektrums. Wir wollten herausfinden, was passiert, wenn wir woanders hinschauen", so Louise Mason.
Laut der Forscherin bleiben Millimeter- und Submillimeter-Radiobereiche für SETI fast vollständig unerforscht, und es geht um die Erschließung eines neuen Territoriums für die Suche.
Der Effekt des "sternreichen Beifangs"
Bei der Arbeit mit Daten des Band 3 des ALMA-Teleskops wurden keine klaren Signale außerirdischer Technologien entdeckt. Dennoch bewies die Analyse von nur vier Archivbeobachtungen das enorme Potenzial hochfrequenter Teleskope für zukünftige Forschungen.
Die Schlüsselentdeckung war ein Effekt der Radioastronomie: Wenn ein Teleskop auf ein bestimmtes Ziel gerichtet wird, fallen gleichzeitig Tausende anderer Objekte in sein Sichtfeld. Dieses Phänomen wird als "sternreicher Beifang" bezeichnet.
Bisher wurde die Anzahl dieser versteckten Sterne anhand des Gaia-Katalogs geschätzt. Mason verwendete das präzisere galaktische Modell von Besançon (BGM), das ferne, schwache und schwer sichtbare Sterne berücksichtigt. Das Ergebnis war überwältigend: Die Schätzung der Anzahl der Sterne, die von nur einer der vorläufigen SETI-Überprüfungen mit 1327 Beobachtungspunkten erfasst wurden, stieg von 288.000 auf mehr als 6,1 Millionen.
"Eines der faszinierendsten Ergebnisse dieser Arbeit ist die Erkenntnis, dass wir weit mehr Sterne untersucht haben, als ursprünglich angenommen", betonte Louise Mason.
Sogar eine sehr kleine Beobachtung kann eine enorme Menge und Vielfalt an Sternen enthalten, die wir gar nicht zu untersuchen planten. Durch die Kombination von Hochfrequenzbeobachtungen mit galaktischen Simulationen können Wissenschaftler besser verstehen, was bereits überprüft wurde und wo weiter gesucht werden sollte.
Was kommt als Nächstes?
Das Fehlen eines gefundenen Signals bei den ersten Überprüfungen bedeutet nicht, dass es kein außerirdisches Leben gibt. Es zeigt lediglich, dass in den untersuchten engen Bereichen keine Technosignaturen vorhanden waren.
Astronomen hoffen, dass diese Ergebnisse die SETI-Forscher dazu anregen werden, die hohen Frequenzen aktiver zu erschließen und die riesigen Datenmengen, die seit Jahren in den Archiven von Observatorien auf der ganzen Welt gespeichert sind, effektiver zu nutzen. Vielleicht ist die Antwort auf die Frage "Sind wir allein im Universum?" bereits in den Archiven aufgezeichnet, aber wir wussten einfach nicht, wie man sie liest.