In den Gängen der russischen Macht entzündet sich ein versteckter Konflikt, der den politischen Kalender des Landes verändern könnte. Die Sicherheitskräfte, insbesondere die Führung des FSB und der Rosgvardia, versuchen Wladimir Putin zu überzeugen, die geplanten Wahlen zur Staatsduma zu verschieben. Die Initiative, die bereits im Frühjahr 2026 anklang, gewinnt angesichts der verstärkten Drohnenangriffe auf Moskau und der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage neue Aktualität.

Die Position der Sicherheitskräfte: „Kein Mensch – kein Problem“

Laut dem Magazin „Meduza“ wird die Idee einer Verschiebung der Abstimmung aktiv von den Leitern der Geheimdienste lobbysiert, einschließlich des Chefs der Rosgvardia, Wiktor Solotow – einem langjährigen Verbündeten und ehemaligen Leibwächter des Präsidenten. Ihre Argumentation basiert auf einem pragmatischen Ansatz gegenüber der aktuellen Realität: Haushaltsdefizite, Inflation und Kürzungen der Sozialausgaben schlagen unvermeidlich auf die Popularität der Regierung durch.

Ein Gesprächspartner des Magazins, der der Administration nahesteht, beschreibt die Logik der Sicherheitskräfte wie folgt: „Es ist klar, dass sich die Situation nur verschlechtert, und das schlägt sich immer in den Popularitätswerten der Macht nieder. Bei aller Kontrolle ist es eine kühne Aufgabe, Wahlen unter solchen Bedingungen durchzuführen. Und in ihrer Philosophie gilt: Kein Mensch – kein Problem“.

Die Antwort des Kremls: Demonstration von Stabilität

Trotz der Beharrlichkeit der Sicherheitskräfte bleibt Wladimir Putin ein Verfechter der Abhaltung der Wahlen zum geplanten Zeitpunkt. Laut einer Quelle in der Präsidentschaftsadministration wäre eine Absage der Abstimmung ein Eingeständnis, dass die Pläne gestört sind und das Land in einem Notzustand befindet.

„Auf der Ukraine gibt es keine Wahlen, bei uns aber schon. Das ist ein ernsthafter politischer Moment“, zitiert der Gesprächspartner von „Meduza“. „Aber wir zeigen derzeit mit allen Kräften, dass alles in Ordnung ist“.

Zudem sind die Parlamentswahlen für Schlüsselfiguren im Kreml, wie Sergej Kirjenko und Dmitri Gromow, eine Möglichkeit, ihre Nützlichkeit und Loyalität gegenüber dem Führer zu beweisen. Im Frühjahr gelang es ihnen bereits, Putin zu überzeugen, dass die Abstimmung trotz aller Schwierigkeiten durchgeführt werden muss.

Das Basisszenario und Sicherheitsbedrohungen

Gegenwärtig liegen keine offiziellen Dokumente über eine Verschiebung der Wahlen auf dem Tisch des Präsidenten vor. Die Zentralwahlkommission hat bereits die Abstimmungstermine für den 18. bis 20. September bekannt gegeben. Quellen bezeichnen diese Option als „Basisszenario“.

Externe Faktoren üben jedoch einen erheblichen Druck auf das Sicherheitssystem aus. Die Angriffe auf die russische Hauptstadt haben sich in letzter Zeit deutlich verstärkt:

  • Am 18. Juni fügten ukrainische Drohnen dem Moskauer Erdölraffineriewerk in Kapotne einen Schlag zu, der einen Großbrand verursachte. Anwohner klagten über „Ölregen“.
  • Am folgenden Tag wurde Moskau erneut getroffen. Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete vom Abschuss von rund 35 Drohnen.
  • In der Nacht zum 22. Juni griffen etwa 60 Drohnen die Hauptstadt an, was die Moskauer Flughäfen zwang, Betriebsbeschränkungen einzuführen.

Ein Technologieexperte, der mit dem politischen Block der Präsidentschaftsadministration zusammenarbeitet, fasst die Situation wie folgt zusammen: „Ein Durcheinander im Kreislauf. Ich würde unter solchen Bedingungen selbst verschieben oder absagen“. Der Kreml hält jedoch vorerst an der Durchführung der Wahlen fest und ignoriert die Warnsignale der Sicherheitskräfte.