In der theoretischen Physik ist eine Diskussion entstanden, die auf den ersten Blick wie ein Science-Fiction-Sujet klingt, aber auf strengen mathematischen Modellen der Quantenmechanik beruht. Die Physikerin Maria Violaris hat ein experimentelles Schema vorgeschlagen, mit dem die Hypothese einer Informationsübertragung zwischen parallelen Zweigen des Multiversums überprüft werden kann. Die Arbeit basiert auf der Anpassung des klassischen Gedankenexperiments „Wigners Freund“ und betrachtet das Verhalten zweier Kopien eines Observators, die sich in einem Zustand der Quantensuperposition befinden. Wichtig ist zu betonen: Es geht hier nicht um ein bestätigtes Experiment, sondern um ein theoretisches Modell, das die Bedingungen beschreibt, unter denen eine Signalübertragung zwischen Zweigen grundsätzlich möglich wird.

Das Experiment-Modell: zwei Observatoren und ein Superobservator

Die von Violaris vorgeschlagene Architektur des Experiments setzt einen externen Operator voraus – einen sogenannten „Superobservator“, der das innere Quantensystem vollständig isoliert und seinen Zustand manipuliert. Innerhalb des isolierten Systems befinden sich zwei Observatoren (Kopien desselben Subjekts) in Superposition. Für den „Kontakt“ zwischen den Zweigen müssen drei strenge Bedingungen erfüllt sein. Die erste ist das Vorhandensein eines Superobservators, ohne den das System nicht in den erforderlichen Quantenzustand gebracht werden kann. Die zweite ist das Löschen des Gedächtnisses: Der Sender der Nachricht muss in seinem Zweig vollständig die Erinnerung an die Tatsache der Erstellung der Aufzeichnung verlieren. Die dritte ist der Effekt des plötzlichen Erleuchtungs Moments: Für den Empfänger im parallelen Zweig erscheint die Information ohne lokale Quelle oder Vorgeschichte, als würde sie „aus dem Nichts“ entstehen.

Multiversum-Arbitrage und Diskussion über hypothetische Bereicherung

Die Idee einer theoretischen Datenlecke zwischen Zweigen des Multiversums löste sofort eine Diskussion über die sogenannte „Multiversum-Arbitrage“ aus – die hypothetische Nutzung von Informationen aus anderen Realitäten zum Erzielen eines wirtschaftlichen Vorteils. Als Beispiel wird in der wissenschaftlichen Gemeinschaft ein Szenario angeführt, bei dem Aktienkurse aus einem Zweig der Realität für einen Observator in einem anderen Zweig verfügbar werden und es ermöglichen, Geschäfte mit vorbekanntem Ausgang abzuschließen. Die Autoren des Modells betonen jedoch, dass dies eine rein spekulative Folgerung ist, die in der ursprünglichen Aufgabenstellung nicht vorgesehen ist. Darüber hinaus besitzen die Teilnehmer im beschriebenen Prozess keine subjektive Willensfreiheit: Sie können Daten nicht nach eigenem Wunsch senden, und der externe Controller hat keinen Zugriff auf den Inhalt der übermittelten Information. Dies schließt eine gezielte „Arbitrage“ im alltäglichen Sinne aus.

Widersprüchliche Daten

Bei der Interpretation der Ergebnisse des Modells gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen den Positionen der beteiligten Seiten. Einerseits lässt die Formulierung von Violaris zu, dass die Information „übergeht“ von einem Zweig in den anderen, was den Eindruck eines echten Datenübergangs zwischen parallelen Realitäten erweckt. Andererseits besteht der Experte für Quantencomputing Scott Aaronson auf einer grundsätzlich anderen Deutung: Nach seiner Auffassung wird die Information nicht zwischen Welten verschoben. Stattdessen wird der Observator, der die Nachricht erstellt hat, aus seinem Zweig gelöscht und durch eine Kopie ersetzt, die er nicht selbst erstellt hat. Aus Sicht von Aaronson findet also weder eine Übertragung noch eine Lecke statt – es findet ein Identitätswechsel innerhalb einer einzigen Quantengeschichte statt. Dieser Unterschied in der Interpretation hebt die mathematische Korrektheit des Modells nicht auf, ändert aber die philosophische und physikalische Deutung dessen, was bei der „Übertragung“ des Signals tatsächlich geschieht, erheblich.

Warum dies für Menschen heute unmöglich ist

Die entscheidende Einschränkung, die das Experiment in absehbarer Zukunft nicht realisierbar macht, liegt darin, dass sich Menschen nicht im Zustand der Quantensuperposition befinden. Makroskopische Objekte, einschließlich des menschlichen Gehirns, sind der Dekohärenz unterworfen – einem Prozess, bei dem die Quantensuperposition unter dem Einfluss der Umgebung zerstört wird. Das bedeutet, dass eine direkte Datenübertragung zwischen menschlichen Kopien im Multiversum unter keinen aktuellen oder in den nächsten Jahrzehnten absehbaren Bedingungen möglich ist. Das Modell von Violaris arbeitet mit idealisierten Quantensystemen, nicht mit lebenden Observatoren.

Zukunftsträchtige Technologien: Quanten-AGI und digitaler Observator

Trotz der Unmöglichkeit, das Experiment mit Menschen durchzuführen, hoffen die Forscher auf eine Überprüfung der Hypothese mithilfe zukünftiger Technologien. Nach Schätzungen der Experten könnten in 10–20 Jahren Quantencomputer entstehen, die fähig sind, einen allgemeinen künstlichen Intelligenz (Quanten-AGI) im Zustand der Superposition zu starten. Solche Systeme könnten die Rolle „digitaler Observatoren“ übernehmen – KI-Algorithmen innerhalb von Quantencomputern, die in der Lage sind, alternative Szenarien von Ereignissen zu simulieren und die Ergebnisse in ein einheitliches Entscheidungsfindungssystem zusammenzuführen. Allerdings würde die Durchführung eines vollständigen Experiments die Schaffung eines digitalen Intellekts mit vollem Bewusstsein und kontrollierbarem Gedächtnis erfordern, was nach Aussage der Forscher selbst eine unerreichbare technologische Grenze darstellt. Zwischen dem theoretischen Modell und seiner experimentellen Überprüfung liegt somit nicht nur eine ingenieurtechnische Aufgabe, sondern eine grundlegende Frage nach der Natur des Bewusstseins und seinen quantenmechanischen Eigenschaften.