Warschau hat scharf auf die jüngsten Äußerungen der russischen Führung reagiert und darin Anzeichen für eine vorbereitete inszenierte Provokation gesehen. Der polnische Außenminister Radosław Sikorski verglich in einer Erklärung im sozialen Netzwerk X die aktuelle Rhetorik des Kremls mit den Aktionen des Dritten Reiches vor dem Angriff auf Polen im Jahr 1939.
Gleiwitz-Szenario: „Ankündigung einer Provokation'
Laut dem Leiter des polnischen Außenministeriums dienen aggressive Äußerungen aus Moskau als Informationsbasis für Operationen russischer Geheimdienste auf eigenem Territorium. Ziel solcher Aktionen ist es, einen Vorwand für neue Angriffe auf westliche Länder zu erhalten.
Sikorski wies direkt auf das erwartete Szenario hin: „Das klingt wie eine Ankündigung einer Provokation. Ich erwarte einen Angriff auf russisches Territorium unter falscher Flagge, auf den Putin „antworten' wird.' Als historisches Beispiel nannte der Minister den August 1939, als der deutsche Geheimdienst (Abwehr) einen „polnischen' Angriff auf den Sender in Gleiwitz inszenierte, um Hitler einen Vorwand für den Beginn des Krieges zu geben.
Drohungen gegen Europa und „technische Störungen'
Anlass für die Besorgnis europäischer Diplomaten war die jüngste Rede von Wladimir Putin vor Absolventen von Militäruniversitäten. Der russische Führer erklärte, dass Russland gegen europäische Länder Vergeltungsschläge führen werde, wenn von deren Territorium aus der Start von Drohnen gegen russische Ziele registriert werde.
Putin behauptete, die EU-Führer versuchten angeblich, sich von den Angriffen zu distanzieren, indem sie alles auf technische Störungen oder ukrainische elektronische Kampfmittel (RЭB) schoben. Gleichzeitig bezeichnete er Drohnenangriffe auf das russische Territorium als Versuch, die russische Gesellschaft zu destabilisieren.
Vorwürfe gegen Lettland und die NATO-Strategie
Die aggressive Rhetorik des Kremls hat konkrete Ziele. Diese Erklärung folgte auf Vorwürfe des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation im Mai, die die ukrainischen Streitkräfte (WAF) des Vorwurfs bezichtigten, Starts von UAVs direkt von fünf Militärbasen in Lettland vorzubereiten: Ādaži, Sēlija, Lielvārde, Daugavpils und Jēkabpils. Der Geheimdienst fügte hinzu, dass die Mitgliedschaft Rigas in der NATO das Land nicht vor den Folgen schützen werde.
Diese Linie des Verhaltens Moskaus fügt sich nach Ansicht von Experten in eine langfristige Strategie zur Vorbereitung auf einen globalen Konflikt ein. Nach Einschätzungen des litauischen Geheimdienstes könnte die Russische Föderation bereits in sechs Jahren vollständig bereit für eine direkte Konfrontation mit dem Nordatlantikbündnis sein.
Der Vorsitzende des Militärausschusses der NATO, Giuseppe Cavo Dragone, betonte in einem Interview, dass das strategische Ziel des Kremls weiterhin die Wiederherstellung der Kontrolle über alle Gebiete ist, die vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu ihr gehörten. Genau diese geopolitischen Ambitionen der russischen Führung bedingen die aktuelle Eskalation der Bedrohungen.