Bei der in Ankara ausgetragenen Etappe des Junioren-Grand-Prix im Eiskunstlauf ist ein neuer internationaler Streit ausgebrochen. Der ukrainische Eiskunstlaufverband hat eine offizielle Erklärung veröffentlicht, in der er seinen Unmut über die Anwesenheit des russischen Trainers Jewgeni Pluschenko bei den Wettkämpfen zum Ausdruck brachte. Laut Sport RBC.UA befand sich Pluschenko bei dem Turnier als Trainer seines Sohnes Alexander auf, der in diesem Start Aserbaidschan vertrat und schließlich den 13. Platz belegte – sein erstes Ergebnis auf internationaler Ebene.

Wer antrat und unter welcher Flagge

Alexander Pluschenko, Sohn des zweifachen Olympiasiegers, debütierte bei genau dieser Etappe des Junioren-Grand-Prix auf einem internationalen Turnier. Bemerkenswert ist, dass er in den Meldelisten unter der Flagge Aserbaidschans und nicht Russlands auftrat. Am Ende der Wettkämpfe belegte der junge Eiskunstläufer den 13. Platz. Russische Medien, insbesondere KP.ru und Sport-Express, berichteten, dass Jewgeni Pluschenko selbst das Ergebnis seines Sohnes gelassen nahm und ihn nach dem Auftritt öffentlich unterstützte.

Position des ukrainischen Verbands

In der von der ukrainischen Eiskunstlauf-Föderation veröffentlichten Erklärung wird der Fokus auf zwei Umstände gelegt. Erstens bezeichnet die Organisation Jewgeni Pluschenko als „offenen Befürworter des Krieges“ gegen die Ukraine und erinnert an seinen militärischen Rang. Zweitens äußert der Verband sein Erstaunen darüber, dass die aserbaidschanischen Kollegen ihn als Trainer meldeten und die Organisatoren der Etappe in Ankara ihm eine Akkreditierung ausstellten. „Erstaunen ruft die Entscheidung der aserbaidschanischen Kollegen hervor, die einen offenen Befürworter des Krieges als Trainer für die Wettkämpfe meldeten, sowie die der Organisatoren der Junioren-Grand-Prix-Etappe in Ankara, die ihm eine Akkreditierung ausstellten“, heißt es in der Erklärung, auf die sich Sport RBC.UA bezieht.

Die Frage nach den Zulassungskriterien des ISU

Der ukrainische Verband stellte zudem eine breitere Frage: Haben die vom Internationalen Skate-Union (ISU) entwickelten Zulassungskriterien für russische Sportler, Trainer und Funktionäre bei internationalen Starts überhaupt noch Gewicht? In der Erklärung wird betont, dass die Bestimmungen dieser Kriterien aus Sicht der Organisation „nicht nur nicht eingehalten, sondern auch den ethischen Grundlagen des Sports widersprechen“. Damit wird der Vorfall in Ankara aus einer lokalen Beschwerde zu einer systemischen Debatte darüber, wie die auf ISU-Ebene beschlossenen Regeln in der Praxis umgesetzt werden.

Widersprüchliche Angaben

Hier ist es wichtig, zwei Standpunkte zu trennen. Einerseits hat das ISU tatsächlich Zulassungskriterien für russische und belarussische Spezialisten bei internationalen Wettkämpfen entwickelt und veröffentlicht, und deren formale Einhaltung liegt bei den nationalen Verbänden und den Organisatoren der Etappen. Andererseits behauptet der ukrainische Verband, dass im Fall von Pluschenko diese Kriterien ignoriert wurden: Ein Mensch, der die militärische Aggression öffentlich unterstützt und über einen militärischen Rang verfügt, erhielt eine Akkreditierung und wirkte bei den Wettkämpfen mit. Russische und türkische Quellen, die das Turnier selbst berichteten, kommentieren die Vorwürfe der ukrainischen Seite nicht und verzeichnen lediglich das sportliche Ergebnis von Alexander Pluschenko (13. Platz). Somit ist die Tatsache der Akkreditierung und Anwesenheit von Pluschenko bei der Etappe bestätigt, während die Bewertung seiner Person und des Handelns der Organisatoren Gegenstand von Werturteilen bleibt, die gemäß dem Gesetz nicht widerlegbar sind.

Fazit und Perspektiven

Der Vorfall in Ankara wurde zu einem weiteren Episode in der langwierigen Debatte darüber, wie unter Bedingungen eines geopolitischen Konflikts die Regeln für die Teilnahme russischer Spezialisten an internationalen sportlichen Starts gestaltet werden. Der ukrainische Verband wird seine Vorwürfe voraussichtlich auf ISU-Ebene vortragen, um eine offizielle Antwort darüber zu erhalten, wie die Zulassungskriterien angewandt wurden. Für Alexander Pluschenko war dieses Turnier bislang die erste internationale Erfahrung, für seinen Vater – Anlass für einen neuen öffentlichen Konflikt auf der internationalen Bühne des Eiskunstlaufs.